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Feldberg Ski-Unglück am Feldberg: Mann erstattet Anzeige gegen Liftbetreiber

Ein Mann aus der Nähe von Bruchsal hat nach dem Ski-Unglück den Liftverbund Feldberg und seinen Vorsitzenden Stefan Wirbser angezeigt. Der Liftbetreiber ist sich dagegen sicher, dass der Mast, gegen den die beiden Opfer geprallt sind, den Vorschriften entspricht.

Für Stefan Rohrer aus Forst bei Bruchsal hat das Ski-Unglück am Feldberg vom vergangenen Sonntag alte Wunden aufgerissen. "Ich komme aus dem Hochschwarzwald", erzählt er am Telefon. In den 80er-Jahren sei ein Junge auf ganz ähnliche Weise wie die beiden Skifahrer verunglückt. "Der ist auch gegen einen Mast geprallt." Das hat den Familienvater nie mehr losgelassen, und es hat ihn bewogen, nun Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge zu erstatten.

Die Anzeige richtet sich gegen den Liftverbund Feldberg, der auch die Schneekanone betreibt, und seinen Vorsitzenden Stefan Wirbser, den Bürgermeister der Gemeinde Feldberg. "Es geht nicht um eine Schuldzuweisung",  wie Rohrer betont. "Ich will, dass die Verantwortlichen am Feldberg nachdenken." Der Mast war aus seiner Sicht schlecht gesichert. Es wäre einfach gewesen, den Mast, gegen den die beiden Männer geprallt sind, richtig abzusichern, ist er überzeugt. Mit einem Dämpfer zum Beispiel. Er kritisiert: "Die angebrachte Schutzmatte kann keine Energie aufnehmen."

Kein Ermittlungsverfahren gegen den Betreiber

Rohrer glaubt allerdings nicht, dass der Liftbetreiber gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen hat. Bisher hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Freiburg dafür auch keinen Anhaltspunkt. "Es gibt kein Ermittlungsverfahren gegen den Betreiber", erklärte Michael Mächtel, der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Betreiber: Anlage ist sicher

Volker Haselbacher, der Geschäftsführer für den Bereich Marketing beim Liftverbund, ist immer noch angefasst, als SÜDKURIER Online mit ihm spricht. "Der ganze Feldberg steht unter Schock." Sein Chef Stefan Wirbser befand sich am Freitag im Urlaub. Deshalb muss Haselbacher übernehmen.

"Unsere Anlage entspricht dem aktuellen Sicherheitsstand", betont er. Sie stehe schon vier Jahre da und bisher sei noch nie etwas passiert. Ob der Verbund bei der Sicherheit nachrüsten wird? Haselbacher will sich noch nicht festlegen. Dazu müsse man erst mal die Untersuchungsergebnisse abwarten.

Experte glaubt nicht an Schuld des Betreibers

Andreas König ist Experte bei der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS). Er teilt die Einschätzung von Haselbacher. "Ich glaube nicht, dass man den Liftbetreiber verantwortlich machen kann. Der Mast sei mit einem signal-orangen Polster des Herstellers gesichert gewesen. "Was soll der Betreiber noch mehr tun", fragt König.

Für die Sicherungsmaßnahmen gibt es in Deutschland keine eindeutigen Vorschriften. "Das ist immer situativ zu betrachten", so der Experte. Gehe von dem Mast eine Gefahr aus, dann müsse der Betreiber ihn entsprechend sichern. Der Mast stand in einem flachen, gut einsehbaren Bereich der Piste. Hätte er hinter einer Kuppe gestanden, dann hätte man ihn eventuell anders sichern müssen, sagte der Experte.
Von weitergehenden Sicherungsmaßnahmen hält er nichts. Straßenlaternen polstere ja auch niemand. Er sei dagegen Skifahrer in Watte zu packen, betont er und nimmt gleichzeitig die Skifahrer in die Pflicht: "Die Beschneiungsanlagen gehören auf einer Skipiste dazu. Ich muss mein Handeln so gestalten, dass ich mit diesen äußeren Begebenheiten umgehen kann.

Vorschriften in der Schweiz ähnlich

Im Gespräch mit SÜDKURIER Online hatte Rohrer die Schweiz als Vorbild genannt. Dort gebe es zum Beispiel Schutzzäune um die Beschneiunganlage. Romano Meier kann das so nicht bestätigen. Er ist Pisten- und Rettungschef des auch bei SÜDKURIER-Lesern beliebten Skigebiets Lenzerheide im Kanton Graubünden. "Wir haben die gleichen Polster mit einer Dicke von 15 bis 50 Zentimetern", erklärt er.

Die Vorschriften in der Schweiz ähneln denen in Deutschland. Die zuständige Kommission Rechtsfragen für Schneesportabfahrten empfiehlt bei Unfallgefahr eine Polsterung oder eine Absperrung.

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