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Baden-Württemberg Ski-Unfall:Obduktion soll Klarheit bringen

Am Sonntag hat sich eines der schwersten Ski-Unglücke in der Wintersportgeschichte des Feldbergs ereignet. Helfer berichten von dem dramatischen Einsatz auf der Anfängerpiste. Die beiden Todesopfer sollen obduziert werden.

Die Sonne brennt auf die Pisten herab. Das Thermometer klettert bis zum Nachmittag auf acht Grad. „Wat is dat warm,“ ruft ein Gast aus Berlin einem älteren Herrn zu und öffnet seinen Skianzug. Rund um den Seebuck gleiten, fahren, schießen Skifahrer und Snowboarder zu Tal. Im neuen Parkhaus sind schon am Mittag alle 1200 Plätze ausgebucht. Der Betrieb läuft auch an diesem Montag auf Hochtouren.

Nur der Resilift wenige hundert Meter vom Haus der Natur entfernt, steht still. Minuten nachdem er am Vorabend abgeschaltet wurde, hatte sich eines der schlimmsten Ski-Unglücke in der Wintersportgeschichte des Feldbergs ereignet. Beim Zusammenprall eines 29- und eines 30-jährigen Skifahrers aus Stuttgart und dem Elsass starben beide auf der Piste. Das Unglück kurz vor dem Ende eines klaren Skitages legte sich bleiern über den sonst so unbeschwerten Wintersportort.

Der Verkäufer in einem Pavillon will an diesem Vormittag eigentlich nicht reden. „Ehrlich gesagt, ich hab keinen Bock mich darüber zu unterhalten“, sagt er, während er einen Cappuccino aufschäumt. „Alle fragen, ich hab gestern aber nicht gesehen, wie das passiert ist“, sagt er leicht genervt, während Musik aus dem Lautsprecher tönt. Und dann schickt er doch noch einen Satz hinterher: „Ich sah, wie sie Säcke geholt haben“, ergänzt er kopfschüttelnd das Unfassbare.

Wie konnte das passieren? Ermittlungen laufen noch

Wenige Stunden sind an diesem Montagmorgen erst vergangen seit dem schweren Unglück, das hier auf dem Feldberg viele Besucher und Einheimische vor ein großes Rätsel stellt. Wie konnte das passieren, dass zwei Skifahrer auf einer Piste, die alles andere als steil ist, gegeneinander krachen und so tödlich verletzt werden? War Fahrlässigkeit im Spiel?

Die Ermittlungen der Kripo Freiburg laufen noch. Es gilt, die Ursachen aufzuhellen und vielleicht die Frage der Schuld zu klären. Und dazu sucht die Polizei jetzt Zeugen. Bis tief in die Nacht des Sonntags hatte die Feuerwehr den Unglücksort ausgeleuchtet, damit die Polizei Spuren sichern konnte. An diesem sonnigen Montag ist die Stelle durch ein rotgelbes Netz abgesperrt.

Was bislang bekannt ist, weist zunächst einmal auf das Einhalten der Sicherheitsvorschriften hin, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Freiburg gestern sagte. Beide Fahrer hätten Helme getragen, sie hätten sich ordnungsgemäß verhalten, Alkohol sei nicht im Spiel gewesen. Aber wie konnte dann ein so schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang passieren?

Einer, der sich hier oben auskennt, ist Philipp Loose. Der Snowboardlehrer von der Snowboard-Fahrschule Feldberg war einer der Ersten, die am Sonntag zum Unglücksort geeilt waren. „Zumindest einer muss sehr sehr schnell gewesen sein,“ sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sonst hätte es keine so schweren Verletzungen gegeben.

Auf flacher Piste

Loose kennt die Verhältnisse auf dem 1493 Meter hohen Gipfel wie nur wenige. „Das ist eine blaue Piste, eine leichte Anfängerpiste mit einem sehr sehr flachen Ausläufer“, sagt er. „Da gibt es keine enge Passage, kein Nadelöhr.“ Der Unfall ereignete sich gegen 16.30 Uhr weit unten, in der Nähe einer Schneekanone, vielleicht hundert Meter vor dem Pistenende. „Wir hatten gerade die Zäune abgebaut,“ sagt Loose, der zu den Organisatoren des Snowboard-Weltcup gehört. Auf den Pisten am Seebuck tummelten sich noch an die 100 Skifahrer und Snowboarder, die ihre letzten Abfahrten machten. Auf dem nahen Resilift saßen keine Passagiere mehr, erinnert sich Philipp Loose. Dann geschah das Unfassbare.

Aus Sicht der Bergwacht schildert deren Sprecher David Vaulont die dramatischen Minuten. Einer seiner Kollegen wollte gerade zum Auto gehen, als er auf die beiden Schwerverletzten auf dem Hang aufmerksam wurde. An einem der beiden Skifahrer habe es rasch Wiederbelebungsversuche gegeben – offenbar von einer Ärztin, die zum Unglückszeitpunkt zufällig auf der Piste war. Um das andere Unfallopfer kümmerten sich die herbeigerufenen Bergretter, die ebenfalls in der Nähe waren. Zwei Rettungshubschrauber – aus dem schweizerischen Basel und aus Freiburg – seien schon nach 20 Minuten zur Stelle gewesen. „Nach etwas mehr als einer halben Stunde wurden dann die Wiederbelebungsversuche eingestellt“, sagt David Vaulont, dessen 900 aktive Bergretter ehrenamtlich für die Sicherheit im Schwarzwald sorgen. Vaulont weist darauf hin, dass es noch ungeklärte Fragen gibt.

So lasse sich zwar eine hohe Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometer oder mehr erzielen, „wenn man es vom Gipfel des Seebuck runterlaufen lässt“. Am Hang sei aber „alles sehr gut einsehbar“. Haben die Helme womöglich die Sicht geraubt? Hat zumindest ein Skifahrer auf dem Gipfel gewartet, bis die Piste unten möglichst leer war? Snowboardlehrer Philipp Loose will nicht spekulieren. Wer aber eine möglichst leere Piste haben will, fährt in der Regel erst um 17 Uhr zu Tal, so Loose. Am Fuß der Piste, etwa 100 Meter vom Unglücksort entfernt, schauen Thomas Rauch und Natascha Dins hinauf. Die beiden Gäste aus dem Ruhrgebiet haben über die Medien von dem Unfall erfahren. „Die Sichtverhältnisse waren ja top“, sagt Rauch. „Aber ich sehe hier ja manchen, der am Schluss noch einmal Gas gibt. Das ist nicht in Ordnung.“

Obduktion soll Klarheit bringen

Wie die Polizei mitteilte, sollen die beiden Leichen bis Mittwoch obduziert werden. Mit Ergebnissen rechnet die Polizei noch diese Woche, wie eine Sprecherin am Dienstag in Freiburg sagte. Von der Untersuchung der Toten erhoffen sich die Behörden eine Erklärung dafür, wie es zu dem tragischen Skiunfall am Sonntagabend kommen konnte

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