Endingen Sexualmord an Joggerin in Endingen: Polizei verfolgt 500 Spuren

Bei der Suche nach dem Mörder der 27-jährigen Joggerin Carolin G. am 6. November 2016 in den Weinbergen des Kaiserstuhlstädtchens Endingen tritt die Polizei weiter auf der Stelle.

Aber auch wenn es noch nichts Zielführendes gibt: Die Sonderkommission „Erle“ bemüht sich mit weniger Personal weiter, den Fall aufzuklären. Etwa 500 Spuren müssen noch abgearbeitet werden. Sicher ist, dass der Mann, der in Endingen Carolin G. vergewaltigt hat und erschlug, bereits im Januar 2014 in Kufstein in Österreich die 20-jährige französische Studentin Lucile K. getötet hatte. Auf eine ähnliche Weise und möglicherweise mit identischer Tatwaffe. Von dem gesuchten Doppelmörder existieren Phantombilder, die auf Grund von einer Zeugenaussage in Kufstein und einer in Endingen gefertigt worden waren und gewisse Ähnlichkeiten offenbaren.

Untersuchungen im Labor in Stuttgart weitgehend abgeschlossen 

In Kufstein hatten die österreichischen Ermittler den genetischen Fingerabdruck, die DNA des Mörders von Lucile K. komplett identifizieren können. In Endingen wurde lediglich Teil-DNA des Täters gefunden, aber das reichte, um die Doppel-Täterschaft zu belegen. Weitere Spuren von Bedeutung sind im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes in Stuttgart trotz intensivster Laborarbeit nicht identifiziert worden – auch nicht an dem Joggingschuh von Carolin G., der einige Tage nach dem Mord an der 27-Jährigen gefunden worden war.

Und ebenfalls nicht an ihrer Kleidung und an ihrem Körper oder an Boden- und Pflanzenproben vom Tatort. Jetzt heißt es bei der Sonderkommission „Erle“: „Die Untersuchungen im Labor in Stuttgart sind weitgehend abgeschlossen.“

Hinweise aus dem gesamten Bundesgebiet - keine heiße Spur

Nachdem im Endinger Fall vor einigen Wochen das neue Phantombild des Täters veröffentlicht worden war – eine Frau hatte einen entsprechend aussehenden Mann am Nachmittag des 6. November in den Endinger Weinbergen gesehen und später beschrieben – gingen rund 400 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Nicht nur im Raum Endingen, sondern bundesweit. „In den meisten Fällen gab es Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Walter Roth.

Eine heiße Spur habe sich aber nicht entwickelt. Mehrfach wurden von Männern, auf die Hinweise zielten, Speichelproben entnommen, um deren DNA festzustellen. Die Betroffenen, so Roth, hätten die Probe meist freiwillig abgegeben. Dabei habe es sich vorwiegend um Männer aus der Region gehandelt. Es habe auch Hinweise auf Personen gegeben, die im Ausland leben.

Warum die Soko an der LKW-Fahrer-Theorie festhält

Die Sonderkommission räumt der Annahme, dass es sich bei dem Täter um einen LKW-Fahrer handelt, weiterhin hohe Priorität ein. Das hat diese Gründe: Die Taten in Kufstein und Endingen wurden am Wochenende verübt, als für LKWs Fahrverbot herrschte und der Täter die vorgeschriebene Ruhezeit zur Ausübung der Verbrechen genutzt haben könnte.

Die französische Studentin in Kufstein wurde mit einer Hebelstange erschlagen, wie sie für die Hydraulik von Fahrerkabinen größerer Lastwagen verwendet wird – so eine Hebelstange wurde in Kufstein gefunden und könnte auch in Endingen benutzt worden sein, als Carolin G. getötet wurde. Zu den Daten, die die österreichische und die südbadische Polizei abgleichen, gehören Auswertungen des österreichischen Maut-Systems – so wurde erfasst, welche LKWs in Kufstein zum tatrelevanten Zeitpunkt und in den Tagen zuvor und danach registriert worden waren.

Deutsche Maut-Daten sind tabu 

Daran schlossen sich Nachforschungen an. Deutsche Maut-Daten darf die Polizei im Endinger Fall nicht nutzen, das ist hierzulande gesetzlich verboten. Aber durch Befragungen an LKW-Parkplätzen im Raum Endingen und durch Nachforschungen bei Speditionen wurde versucht, voranzukommen. Ziel sei es, so Roth, „die Ermittlung eines LKWs beziehungsweise eines Fahrers, der zu beiden Tatzeiten im Bereich der beiden Tatorte war“.

Ein zusätzlicher Ermittlungsstrang bezieht sich auf Handydaten, die auf Signalen von Mobiltelefonen beruhen, die am Tattag oder auch später im Bereich des Endinger Tatorts ausgesendet und registriert wurden. Auch da gibt es einen Abgleich mit Kufstein. Bei allem gilt die deprimierende Wahrheit solcher Nachforschungen: Es wird viel versucht, aber vieles ist auch umsonst, weil das meiste nicht weiterbringt. Damit müssen die Ermittler leben.

Chronologie

11. Januar 2014: Ein Unbekannter tötet die 20-jährige Austauschstudentin Lucile K. in Kufstein (Österreich) nachts auf dem Heimweg.

6. November 2016: Die 27-jährige Carolin G. aus Endingen kehrt von ihrer Joggingrunde nicht zurück.

10. November 2016: Die Leiche von Carolin G. wird in einem Waldstück zwischen Endingen und Bahlingen von einem Spürhund gefunden. Die Joggerin wurde Opfer einer Sexualstraftat.

26. Januar 2017: Genetische Spuren am Fundort von Carolin G. lassen darauf schließen, dass die Frau mit großer Wahrscheinlichkeit vom gleichen Täter getötet wurde wie Lucile K.

5. April 2017: Die Soko "Erle" und die Kollegen in Tirol verfolgen die Annahme, der Täter sei Fernfahrer. (sk)

 

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