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Stuttgart Rechtsextreme Liedermacherin sagt in Stuttgart aus: "Von NSU-Terroristen nicht gewusst"

Sie war in der rechten Szene so etwas wie ein Star: die frühere Liedermacherin Annett M., die auch im Südwesten auftrat. Vom Politischen in der Szene will sie aber nicht viel mitbekommen haben. Das hat sie vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart ausgesagt.

Mit der Befragung früherer Mitglieder der rechten Musikszene versucht der NSU-Ausschuss, Hinweise auf mögliche Helfer der Rechtsterroristen zu bekommen. Dazu sagte am Montag auch eine frühere rechte Liedermacherin vor dem Landtagsgremium in Stuttgart aus. Sie beteuerte, vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) erst aus den Medien nach ihrem Ausstieg aus dem Rechtsextremismus etwas gehört zu haben. Die 48-Jährige gab den Abgeordneten dennoch einige interessante Einblicke in die Szene.

Hintergrund der Befragung: Die Rechtsterroristen des NSU sind nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft für zehn Morde zwischen 2000 und 2007 verantwortlich, darunter 2007 an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn. Das NSU-Trio hielt sich oft im Südwesten auf, so dass der Verdacht besteht, es könnte hier Helfer gehabt haben. Die Bekenner-DVD des NSU war mit einem Lied der Rechtsrock-Band Noie Werte unterlegt, die aus dem Südwesten stammt.

Auftritte im Raum Heilbronn und Ludwigsburg

Mit der Band "Noie Werte" hatte die frühere Liedermacherin Annett M. 2004 eine Maxi-CD aufgenommen. 2004/2005 trat die gebürtige Brandenburgerin, die zeitweise Mitglied der rechtsextremen NPD war, bei Konzerten etwa von rechten Kameradschaften im Südwesten auf - auch im Raum Heilbronn und Ludwigsburg. Zudem kannte sie auch den Neonazi Andreas Graupner, der dem Netzwerk Blood and Honour in Chemnitz angehörte und um 2001 herum in den Raum Ludwigsburg gezogen war.

Annett M. beteuerte aber, in der Szene weniger über Politisches gesprochen und vom NSU nichts gehört zu haben. Man habe nach den Auftritten einfach gesoffen. Nach dem Tod ihres Mannes 2009, der ebenfalls rechter Liedermacher war, entfernte sich die gelernte Altenpflegerin vom Rechtsextremismus - weil sie sich von der Szene im Stich gelassen fühlte. Später trat Annett M. mithilfe eines niedersächsischen Programmes aus den rechtsextremen Kreisen aus.

Dass Frauen in der Szene dafür zuständig gewesen sein, über Musik rechte Ideologie zu verbreiten, bezeichnete Annett M. im Ausschuss als „Quatsch“. Unter den harten Rechtsextremisten hätten Frauen einen geringen Stand. Sie seien deren Meinung nach für die Kinder und den Haushalt da. Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) mochte den Ausführungen der Zeugin aber nicht so recht glauben. „Für mich ist das schwer nachvollziehbar, dass Sie Musik gemacht haben und sonst nichts.“

Der zweite NSU-Ausschuss im Landtag geht der Frage nach, ob der NSU in Baden-Württemberg Helfer hatte. Eine Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes hatte 52 Personen identifiziert, die direkten Kontakt zum NSU oder zu dessen Kontaktpersonen gehabt haben. Hinweise auf ein Unterstützernetzwerk sahen die Ermittler aber nicht.

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