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Baden-Württemberg Nachsorgeklinik Tannheim: Eine Familie kommt wieder zu Kräften

SÜDKURIER-Spendenaktion für die Nachsorgeklinik Tannheim. Familie Spahl findet neue Kraft nach dem Tod ihres Sohnes und Bruders.

Nico Spahl sitzt 2013 kurz vor den Sommerferien quasi schon auf gepackten Koffern für sein Auslandsjahr in den USA, als er die niederschmetternde Diagnose erhält. Diagnose: Glioblastom – ein unheilbarer Gehirntumor hat sich in Nicos Stammhirn breit gemacht. Gerade 16 Jahre alt ist er, als er von seinem Schicksal erfährt. Und trotz der hoffnungslosen Aussichten gibt Nico nicht auf. Mutig sagt er zu sich selbst und zu allen anderen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, und meine erst mal gar nicht!“

Diese Zuversicht gehört zu Nicos Eigenschaften. Stets kerngesund lebt Nico das Leben eines ganz normalen Jugendlichen. Um die Welt zu entdecken, plant er ein Auslandsjahr in den USA – es ist Nicos größter Traum. Als ihn starke Kopfschmerzen plagen und sogar sein Gesicht halbseitig gelähmt ist, geht Nico zum Arzt. Dieser schickt ihn in eine Klinik in Bremen zur Magnetresonanztomographie.

Aufgeben kommt für den 16-Jährigen nicht in Frage

In der Klinik gerät Nico möglicherweise in die falschen Ärzte-Hände. Mit der Erkenntnis, dass es sich um einen gutartigen Tumor handle, werden Nico und seine Mutter nach Hause geschickt. Der Hausarzt überweist Nico am selben Tag in eine Kinderklinik. Zwei Tage später wartet auf Nico die erste Gehirn-Operation. Die entnommene Probe bestätigt, dass es sich um den Krebs mit der denkbar schlechtesten Prognose handelt. Nico entwickelt einen beispiellosen Überlebenswillen. Aufgeben und sterben kommt für den 16-Jährigen nicht infrage.

Nico glaubt fest an ein Wunder. „Uns war klar, dass es eine endliche Sache ist. Es war nur die Frage, wie lange er durchhalten würde“, erzählt Vater Ronald Spahl. Auch wenn der Vater skeptisch ist, wird nach jedem dünnen Strohhalm gegriffen. Tessa ist Nicos Schwester – sie teilt am meisten die Hoffnung mit ihrem Bruder. „Ich habe nie daran gedacht, dass er sterben kann“, erinnert sich die heute 16-Jährige. Eine überraschend lange Weile ging es trotz der schweren Krankheit ganz gut bei Nico weiter. Chemotherapien und Bestrahlung steckt er gut weg. Für Nico soll es trotz Krebs in die große weite Welt gehen. Ob auf einer Kreuzfahrt durch das Mittelmeer, einem Städtetrip durch London oder bei Familienausflügen ins Sauerland oder nach München. Eine Reise erfüllt ihm aber doch einen langersehnten Traum. Mit Mama Andrea geht es für einige Tage nach New York.

Trotz Krebs für ein paar Tage in New York

Ab September geht es Nico schlecht. Schließlich führt ihn sein Weg in das Jugendhospiz Löwenherz. Es ist schon das zweite Mal, dass Nico dort ist. Das Jugendhospiz ermöglicht dem totkranken Jungen noch etwas Leichtigkeit. Sein Umfeld lässt er in ein Buch eintragen, wie sie sich das Sterben vorstellen, was nach dem Tod kommt und was man ihm wünscht. Das Buch wird sehr dick, die Worte, die darin zu lesen sind, machen Mut und geben Kraft. Nicht nur Nico, sondern auch seiner Familie – bis heute sogar. Sie nennen es Nicos Vermächtnis. Denn Nicos Hoffnung auf ein Wunder bleibt leider vergebens. Am 18. November 2014 verliert der Junge den Kampf gegen seinen Gehirntumor. Seine Mutter hält ihm bis zum letzten Atemzug die Hand.

Kurz bevor sich Nicos Todestag zum ersten Mal jährt, kommen Andrea, Ronald und Tessa Spahl in der Nachsorgeklinik Tannheim an, die sich auch um verwaiste Familien kümmert. Nur wer selbst solch ein Schicksal ertragen musste, wird verstehen können, was jeder für sich und gemeinsam in den vergangenen zwölf Monaten durchmachen musste. Der Vater hat dabei im Blick, dass Tessa andere Kinder kennenlernt, denen es ähnlich ergangen ist. Mit einem Mädchen freundet sich Tessa besonders an. In der Gruppe kann sie ihre Ängste und Sorgen mit einer einfühlsamen Therapeutin besprechen. Es hat ihr viel gebracht, sich mit jungen Menschen auszutauschen. Doch auch die Eltern wissen, dass sie dringend Kraft tanken müssen und nutzen deshalb die psychosoziale Beratung in der Klinik. „Die Gruppengespräche tun gut, weil es ein Austausch von Familien ist, die wissen, was man erlebt hat. Auch die Einzel- und Familiengespräche sorgen für Klarheit und Verständnis“, erklärt das Ehepaar. „Wir sind in ein großes Loch gefallen und suchten Hilfe. Hier haben wir diese bekommen“, so Mutter Andrea. Auch wenn ihnen das Lachen immer noch nicht leicht fällt, hat es die Familie nicht verloren. Nico hätte ihnen auch nicht erlaubt, damit aufzuhören.

So spenden Sie

Auch in diesem Jahr bittet diese Zeitung ihre Leser um Spenden für die Nachsorgeklinik Tannheim (Schwarzwald-Baar-Kreis). Diesmal geht es um die Inneneinrichtung eines Anbaus, den die Leser des SÜDKURIER durch Spenden bereits ermöglicht haben. Darin sind Appartements für junge Erwachsene entstanden.

Seit 1993 unterstützen die Leser des SÜDKURIER die Nachsorgeklinik Tannheim. Jährlich kommt ein sechsstelliger Betrag zusammen.

Spenden auf das Konto Nachsorgeklinik Tannheim unter Stichwort „Tannheim“ bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar.
Konto: 10550011
BLZ: 694 500 65;

IBAN: DE17 6945 0065 0010 5500 11
SWIFT-BIC.: SOLADES1VSS

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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