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Baden-Württemberg Michell Kölling hat das Glück auf seiner Seite

SÜDKURIER-Spendenaktion für die Nachsorgeklinik Tannheim. Michell Kölling kann nach der Lungen-OP wieder zu Kräften kommen

Wenn Michell Kölling über seine Erkrankung spricht, merkt man schnell, dass sich der 16-Jährige damit bestens auskennt. Er leidet bereits seit seiner Geburt an der Mukoviszidose sowie an der Autoimmunerkrankung Diabetes mellitus. Trotz neuester medizinischer Fortschritte ist diese Krankheit bis heute nicht heilbar. Doch immerhin hat sich die Lebenserwartung Betroffener verdoppelt. Auch aus diesem Grund muss die Nachsorgeklinik Tannheim die Junge Reha erweitern. Denn die Mukoviszidose-Patienten werden erfreulicherweise immer älter. So werden dringend weitere Therapie-Plätze benötigt, die nun in einem Neubau entstehen sollen.

Michell ist mit seiner Mutter Alina aus dem niedersächsischen Garbsen nach Tannheim zur Reha gekommen, weil sich der Jugendliche noch von seiner Lungentransplantation erholen muss. Gerade einmal zwölf Wochen ist es her, dass Michells Mutter nach wenigen Tagen auf der Spenderliste den Anruf erhält, dass eine passende Lunge gefunden wurde. Auf Michell wartet am 20. September 2015 eine komplizierte Operation. Michell ist ein Kämpfer.

Direkt nach der Lungentransplantation signalisiert er seiner Mutter mit erhobenem Daumen, dass es ihm besser geht. Bereits einen Tag nach der OP kann Michell im Stuhl sitzen und rasch konnte er auch schon mit Hilfe eines Rollators laufen.

Drei Wochen später geht es Heim. Auf ihn wartet ein völlig neues Leben – eines ohne den starken Husten, den Mukoviszidose-Patienten haben, damit der feste Schleim aus den kranken Lungen herauskommt. „Ein Leben ohne Husten kenne ich gar nicht“, erzählt Michell. Seine Augen leuchten. Was die Operation für Michell bedeutet, kann man erst verstehen, wenn man weiß, welchen Leidensweg der Junge hinter sich hat. Wenige Monate nach der Geburt ist er ständig im Krankenhaus. Die Ärzte brauchen lange, um festzustellen, dass das Kind an Mukoviszidose leidet. Als die Krankheit festgestellt ist, bekommt das Kind vier Mal im Jahr starke Antibiotika-Infusionen.

Michell erlebt seine Kindheit überwiegend in der Uniklinik Hannover. „Kaum ist nur die Tür des Krankenzimmers aufgegangen, bekam Michell panische Angst“, erinnert sich seine Mutter. Ist der Junge nicht im Krankenhaus, so gehört die Physiotherapie inzwischen zu Michells Dauerprogramm. Sie hilft dabei, dass der Schleim dank bestimmter Übungen einfacher aus den Lungen herausbefördert wird.

Das Schicksal fordert Michells ganze Kraft. In den Sommerferien 2010 platzt in Michells Speiseröhre eine Krampfader. Wieder heißt es für ihn kämpfen. Die Ärzte stellen dabei auch fest, dass die Leber des jungen Patienten stark geschädigt ist und er eine neue benötigt. Sieben Monate später erhält Michell ein neues Organ. Nach dem Hoch kommt ab Oktober 2013 das nächste Tief. Fieberschübe quälen den Jungen. Das Antibiotikum wirkt immer schlechter – es dauert Tage, bis es richtig anschlägt. Michell benötigt Tag und Nacht Sauerstoff. Der Schleim, der seine ganze Atmung stark einschränkt, wird immer mehr. Zuletzt liegt seine Lungenfunktion bei gerade einmal 20 Prozent. Dann werden die Gebete der Familie erhört und die neue Lunge wird eingepflanzt. Zwischen zehn und 15 Jahre lang wird der 16-Jährige mit dieser Lunge leben können. Dann muss das Glück wieder auf seiner Seite sein, dass schnell ein neues Organ gefunden werden kann.

In der Reha muss Michell wieder intensiv mit den Physiotherapeuten zusammenarbeiten. Es geht darum zu lernen, wie man richtig atmet. Neue Übungen werden mit ihm trainiert, die ihn körperlich fit halten. Seine Lunge arbeitet jetzt wieder mit 85 Prozent – vor der Reha lag die Leistung bei 65 Prozent. „Ich bin jetzt deutlich fitter und habe hier auch zugenommen“, freut sich Michell. Was ihm aber ganz besonders gut gefallen hat, ist, dass er hier sehr selbstständig unterwegs sein konnte. Mama Alina hat ihn manchmal erst um 23 Uhr wieder zu Gesicht bekommen. Den medizinischen Rückhalt in der Nachsorgeklinik Tannheim vor Ort zu wissen, hat es beiden leichter gemacht, etwas mehr auf sich zu schauen. Denn die Reha hat zum Ziel, dass die Familie nach der vierwöchigen Therapie ein neues, leichteres Leben führen kann. Das konnten Mutter und Sohn hier bereits bestens üben. Denn Michell ist ein ganz normaler Junge, der nun auch eigene Wege gehen will.

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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