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Baden-Württemberg Maya-Prozess: Jugendamt sah keine groben Mängel

Prozess um den Tod der kleinen Maya aus Aldingen: Eine Jugendamtsmitarbeiterin sah keine Probleme.

Der Prozess um den Tod der kleinen Maya aus Aldingen wurde diese Woche vor dem Rottweiler Landgericht fortgesetzt. Als Zeugen kamen dabei unter anderem der Freund der Mutter, bei dem sie die Nächte vor dem Tod der knapp zweijährigen Tochter verbracht hatte, der Notarzt, der den Tod der kleinen Maya festgestellt hatte und ein Psychologe, der sich um die beiden Brüder gekümmert hatte sowie die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamts zu Wort.

Der Psychologe berichtete von dem heute Neunjährigen, der kurz nach dem Tod der Schwester davon erzählt hatte, wie er die Mutter wiederholt darauf aufmerksam gemacht habe, dass es Maya schlecht ging. Er habe sie gebeten, einen Arzt einzuschalten – auch am Tag vor Mayas Tod noch. Der Junge habe große Sorge gehabt, Schuld am Tod des Mädchens zu sein, weil ihm die Mutter die Verantwortung für die Geschwister übertragen habe. Die Mutter habe die Kinder oft alleine gelassen, auch über Nacht, und sie in der Wohnung eingeschlossen. Gekocht habe sie nur, wenn alles Essen verschimmelt war. Dass es in der Pflegefamilie gutes Essen gebe – das war der Bub offenbar nicht mehr gewohnt.

Einen Brief hatte er der Pflegemutter diktiert, den er dann aufs Grab legte. Maya sei sein Engel gewesen, hieß es da. Selber schreiben wollte er den Brief nicht: Er habe in der Schule viel verpasst, weil seine Mutter nicht mit ihm gelernt habe.

Widersprüchliches kam in den Aussagen der 25-jährigen Angeklagten über wechselnde Männerbekanntschaften und ihren Ex-Freund zutage. Vor dem Tod Mayas hatte sie fast jede Nacht bei ihm verbracht, mit dem Argument, sie wolle die Kinder allmählich an den neuen Freund gewöhnen. Ihrem Ex-Freund erzählte sie, Babysitter wie ihre Schwester passten auf die Kinder auf. Diese hatte aber bereits vor Gericht ausgesagt, nur einmal in der Wohnung gewesen zu sein. Offenbar hatte die Angeklagte weitere Partner, die sie über Facebook kennenlernte, die dann kurzzeitig bei ihr wohnten – und auf die Kinder aufpassen mussten oder gar die Wohnung in Ordnung brachten, während die Mutter ausging oder auf dem Sofa herumlag.

Der 29-jährige Ex-Freund erzählte aber auch von einer Mutter, die sich liebevoll um ihre Kinder gekümmert habe. Und wie die Mutter ihn angerufen hatte, nachdem sie Maya tot im Bettchen gefunden hatte: „Sie hat geschrien wie am Spieß“. Die zuständige Jugendamtsmitarbeiterin betreute die Familie seit Ende 2011. Damals habe es nichts zu beanstanden gegeben. Deshalb habe man auch die Betreuung des ältesten Sohnes, der bis dahin meist bei der Pflegemutter lebte, ganz der leiblichen Mutter übertragen. Das ging dem Augenschein nach anfangs gut, dann platzten Hausbesuche, weil die Angeklagte krank war. Eine Familienhelferin lehnte sie ab. Bei einem letzten angekündigten Besuch sei der Sozialarbeiterin nichts Negatives aufgefallen.

Einen weiteren Besuch kurz vor Mayas Tod sagte die Angeklagte kurzfristig ab. Allerdings gab es auch keine unangemeldeten Visiten, keine weiteren Gespräche mit der Pflegemutter, trotz großer schulischer Probleme des Ältesten, wegen derer sich der Rektor an das Amt gewandt hatte. Auch der Gesundheitszustand der Kinder oder die finanzielle Situation der Mutter wurde nicht überprüft, sie habe einen ordentlichen Eindruck gemacht, so die Jugendamtsmitarbeiterin.

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