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Baden-Württemberg Maximilian: Zurück ins normale Leben

SÜDKURIER-Spendenaktion für die Nachsorgeklinik Tannheim. Maximilian kämpft erfolgreich gegen seine Krankheit an

Es war ein Glück im Unglück, dass Maximilian Englert im April 2014 von einer kleinen Mauer sprang und dabei auf den Bauch fiel. In der Nacht klagte der Junge aus Leidersbach im Spessart über Schmerzen im Bauch, und die Eltern Carolin und Christian fuhren mit ihrem damals dreijährigen Sohn vorsichtshalber in die Klinik. Was keiner zu diesem Zeitpunkt ahnen kann: In Maximilians Bauch, direkt neben einer Niere, wächst ein Tumor.

Bei einer Computertomografie denken die Ärzte zunächst, dass es sich um eine dritte Niere handle. Den Eltern zieht es buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Denn ihr Kind war bis dahin stets kerngesund. Anzeichen auf einen Tumor wie Fieber gab es bei Max, wie ihn seine Familie nennt, nicht. Die Klinik verweist die Familie an eine Uniklinik. Bei einer Biopsie kommt heraus, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt – ein Neuroblastom. Neuroblastome können sich ganz unterschiedlich entwickeln, mal ganz langsam, mal rasend schnell. Die Ärzte rechnen nicht mit einem schnell wachsenden Tumor und unternehmen, bis auf einige Untersuchungen zunächst einmal nichts, sagt Mutter Carolin. Zwar sei ein Operationstermin festgelegt worden, doch zwei Wochen lang habe die Familie keine neuen Informationen erhalten: „Es war schrecklich, so hilflos in der Klinik zu sitzen und nicht zu wissen, was dort alles passiert und ob es richtig ist so lange zu warten.“

Einen Tag vor der OP sei diese plötzlich ohne nachvollziehbaren Grund abgesagt worden. Die Familie wird unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. Die Geduld der Eltern ist am Ende, sie fordern die Krankenakte an und holen sich in Würzburg eine Zweitmeinung ein. Dort wird festgestellt, dass der Tumor zwischenzeitlich auf elf Zentimeter gewachsen ist und damit nicht mehr operabel sei. Auch im Knochenmark haben sich bereits Krebszellen breitgemacht. Der Dreijährige muss nun eine Chemotherapie auf sich nehmen.

In sechs Blöcken wird Max die Chemo verabreicht. Er ist ein starker kleiner Mann und steckt die Strapazen gut weg. Seine Fröhlichkeit und seinen Lebensmut lässt sich der Junge nicht nehmen. „Manchmal habe ich das nur geschafft, weil er so stark war“, berichtet die 34-jährige Mutter. Denn neben den Sorgen sind ihre Gedanken auch bei ihrem großen Sohn Luis. Vater Christian und die Großeltern sowie Tanten bemühen sich darum, dass Luis sein gewohntes Leben weiterleben kann. Sport, Schule und Freunde, so gut es geht läuft bei Luis alles wie gewohnt weiter.

Vater Christian versucht so oft es nur geht, auch bei Sohn Max zu sein. Ein halbes Jahr zieht an der Familie vorbei, in dem nichts so ist, wie es früher einmal war. Sorgen, Ängste und ein großes Durcheinander lassen die Familie nicht zur Ruhe kommen. Erst als der zuletzt stecknadelkopfgroße Tumor heraus operiert ist und die Familie nach Hause darf, ist annähernd an ein normales Familienleben zu denken. Warum Maximilian an dem Tumor erkrankt ist, kann keiner so richtig sagen. „Er hat einfach Pech gehabt“, sagen die Eltern.

Durch den Rückhalt der ganzen Familie fiel es den Englerts relativ leicht, wieder zur ihrem alten Familienleben zurückzukehren. Doch der Erschöpfungszustand war sehr groß, weshalb sie sich auch für die Reha in Tannheim entschieden haben. „Wir wollen einfach die Zeit als Familie hier genießen. Wir sind alle zu kurz gekommen in der schweren Zeit. Nun wollen wir zu viert die vier Wochen genießen und ganz viel Energie tanken“, sagt Christian Englert.

In langen Spaziergängen haben auch die Eltern mal wieder mehr Zeit für sich und auch das Angebot für Paare nehmen sie wahr. „Es ist einfach sensationell toll hier. Hier können wir unsere Seelen baumeln lassen und uns wahnsinnig von dem ganzen Stress erholen“, sagt Carolin Englert. Besonders begeistert hat die Familie die Erlebnispädagogik und das intensive Sportangebot. „Aktiv sein und an der großen Kletterwand hinaufzuklettern, das hat uns viel Spaß gemacht und uns ausgepowert. Das haben wir richtig gebraucht“, berichtet der 36-jährige Vater.

Luis konnte bei der Reittherapie mitmachen und Mama Carolin konnte sich in der Kunsttherapie auf eine ganz andere Weise ausdrücken. „Ich bin nicht so der verbale Typ. Umso besser fand ich das Angebot der Kunsttherapie. Hier konnte ich richtig abschalten“, sagt sie mit strahlenden Augen.

Alle Familienmitglieder haben den Monat in Tannheim sehr genossen, sie wirken trotz dieses Schicksalsschlages entspannt und ausgeglichen. „Mal vier Wochen Zeit mit der Familie zu verbringen. Das ist einfach ein großer Luxus“, sagen Carolin und Christian, und sie sind sehr dankbar, dass dies in Tannheim möglich ist.

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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