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Baden-Württemberg Kunststück zur Rettung Europas

Der Bildhauer Peter Lenk rechnet in seiner neuen Skulptur mit der aktuelle Europa-Politik ab. Das Kunstwerk wird am Samstag, 13. Juli, um 11 Uhr in Radolfzell enthüllt.

Entblößte Scham, Donnerschenkel und drall der Busen – der Bildhauer Peter Lenk bleibt sich bei seinem jüngsten Werk treu. Im Mittelpunkt seines Ensembles, das am heutigen Samstag um 11 Uhr in Radolfzell enthüllt wird, steht in Anlehnung an die griechische Antike die phönizische Prinzessin Europa. Einst war sie eine begehrenswerte Frau, und um sie übers Meer zu entführen, nahm der Göttervater Zeus die Gestalt eines Stieres an.

Und heute? Der Bildhauer aus dem beschaulichen Bodensee-Ort Bodman, der unter anderem durch die Konstanzer Imperia bekannt ist, sieht Europa als Opfer von Zockern und Waffenschiebern, Lobbyisten und ihren willfährigen Erfüllungsgehilfen aus Hochfinanz und Politik. Gefesselt hängt die ihres Gewandes beraubte Prinzessin an der Fassade eines Neubau-Komplexes zwischen der Radolfzeller Altstadt und dem Herstellerverkaufszentrum Seemaxx, wehrlos den Kräften des Neoliberalismus ausgesetzt. Von Zeus, dem Stier, ist Rettung nicht zu erwarten. Als Zitat besserer Zeiten schrumpft er in Peter Lenks Kunstwerk auf die Größe eines Kleintiers und sucht das Weite.

„Politiker, Banker und Manager nuckeln, saugen und schmatzen an Europas Brüsten“, heißt es im Begleittext des 66-jährigen Bildhauers, „Europas Staaten werden gemolken von einer technokratischen Elite, die weder die erotischen Einfälle eines Zeus noch die Sinnlichkeit einer Europa hat.“ Einige Personen des öffentlichen Lebens müssen dabei als Protagonisten herhalten. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat es dabei schon dorthin geschafft, wohin die Herren der Schöpfung – allesamt Gestalten aus dem Umfeld der Euro- und Griechenland-Krise – noch hinwollen: Es sind Europas Brüste, an denen sie sich festsaugen wollen.

Auf Anhieb zu erkennen ist das deutsche Personal der Krise: Zu Füßen Europas schickt Kanzlerin Merkel per Fernbedienung vier Panzer auf Reisen, derweil Finanzminister Wolfgang Schäuble sich am Haupt der Plastik festklammert – wie zum Hohn wurde der antiken Prinzessin ein Walkürenhelm aufgesetzt. Aussicht auf Sättigung der Zecken am Leib der Europa ist kaum: Schon fallen neue Nassauer vom Himmel, der Spieler Uli Hoeneß ist zu erkennen, Dirk Niebel kommt auf einem Teppich geflogen und der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat beim Anflug auf Europa sichtlich Probleme bei der Sicherung von Nebeneinkünften.

„Kampf um Europa“ hat Bildhauer Peter Lenk sein neues Werk genannt, das in seiner Kritik an das Ludwigshafener Wandrelief erinnert. Mit dem Ensemble hat der Bildhauer die letzte Lenk-freie Bastion am westlichen Bodensee erobert. Im Rathaus der Münsterstadt musste er dafür nicht um eine Genehmigung nachfragen, denn das Werk befindet sich an einer privaten Immobilie.

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