Baden-Württemberg Keltenfunde: Neues aus der Schatzkammer auf der Heuneburg

Aufsehenerregend: Nach umfangreichen Ausgrabungen an der Heuneburg präsentieren Archäologen jetzt einen Original-Stirnpanzer für Pferde und eine Bronze-Figur

Das Keltenmuseum in Herbertingen-Hunsingen ist um eine Attraktion reicher. Der Unlinger Reiter, der dort bei Ausgrabungen gefunden wurde, wird auf ein Alter von 2700 Jahren geschätzt. Nach Erkenntnissen des Landesarchäologen Dirk Krausse ist er eine der ältesten Reiterdarstellungen, die bislang nördlich der Alpen gefunden wurde. Die acht Zentimeter hohe Bronzestatuette wurde bei einer Grabung im August vergangenen Jahres in Unlingen unterhalb des Bussen, dem Hausberg Oberschwabens entdeckt.

Das Kunstwerk ist eine kleine Sensation in der Sonderausstellung in dem historischen Museum. „Dass im Keltenmuseum jetzt Originalfunde ausgestellt werden, ist auch ein Ergebnis des Koalitionsvertrages der Landesregierung“, erklärt der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

Die Vereinbarung enthält einen Passus, der festschreibt, dass Funde möglichst dort verbleiben sollen, wo sie auch entdeckt wurden. Für Reimer ist die Heuneburg neben den Pfahlbauten am Bodensee, den Höhlen der Schwäbischen Alb und dem römischen Grenzwall Limes das bedeutendste Denkmal Baden-Württembergs. Seit über einhundert Jahren werde hier gegraben und geforscht und es seien noch immer Überraschungen und Sensationen möglich.

Bei der Ausstellungseröffnung vor wenigen Tagen wurde auch erstmals die Replik eines Stirnpanzers gezeigt, der vermutlich zum Pferd einer Keltenfürstin gehörte. Pferde und Reiter waren deshalb auch die bestimmenden Elemente auf dem Areal des bei Hundersingen befindlichen Freilichtmuseums Heuneburg.

Die Kelten gelten noch immer als rätselhaftes Volk. Der Grund dürfte auch darin liegen, dass die Menschen, die in Urzeiten auf einem Felssporn oberhalb der Donau die wohl größte Stadt nördlich der Alpen errichtet hatten, keine Schrift kannten. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (gestorben um 424 v. Chr.) berichtet von der Stadt Pyrene, die sich in der Nähe der Quelle des Istros, wie man in der Antike die Donau nannte, befunden haben soll.

In den vergangenen Jahren reifte bei den Wissenschaftlern die Erkenntnis, dass es sich bei Pyrene wohl um die Heuneburg handeln muss. Seit Jahrzehnten sind hier Archäologen aktiv und immer wieder sorgen bemerkenswerte Funde für neue Erkenntnisse und für Erstaunen. Die Hebung eines kompletten Grabes vor einigen Jahren, das als gefrorener Erdblock nach Stuttgart transportiert wurde, hat die Heuneburg berühmt gemacht. Das so genannte Prinzessinnengrab wird noch immer von Spezialisten untersucht. Zwei Kräne waren nötig, um den 80 Tonnen wiegenden „Keltenblock" aus dem Maisacker zu heben. Im Grab war auch der bronzene Stirnpanzer eines Pferdes.

Auch der erst früher entdeckte frühkeltische Versammlungs- und Kultplatz auf der „Alte Burg“ bei Langenenslingen nahe der Heuneburg könnte mit sportlichen Wettkämpfen, wahrscheinlich mit Pferde- und Wagenrennen, in Zusammenhang stehen. Um dies zu verdeutlichen, hat man jetzt auf dem Areal der Heuneburg einen Reitplatz eingerichtet, auf dem auch Reiterwettkämpfe stattfinden können.

Die Form erstaunte am Sonntag allerdings so manche Besucher. „Wir befinden uns hier auf archäologischem Gelände, da können wir nicht einfach Dinge installieren, wie es uns gerade in den Sinn kommt“, stellt Chef-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist fest, ehe sie selbst aufs Pferd steigt und mit den Akteuren der Historiengruppe „Luerica“ das Showprogramm eröffnet.

Für Landeskonservator Krausse sind solche Vorführungen kein Stilbruch. „Wir wollen hier ganz sicher kein Disneyland, aber wenn man Menschen für die Archäologie begeistern will, dann muss man auch mal neue Wege gehen“, macht er im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. Deshalb ist es auf der Heuneburg auch oft möglich, den Wissenschaftlern bei der Arbeit zuzusehen.

Video mit Chef-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist im Reitereinsatz:




Kelten-Ausstellung

Die Sonderausstellung "Der Unlinger Reiter – Kelten, Pferde, Wagenlenker“ wurde vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart konzipiert und mit der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern, der Gemeinde Herbertingen und dem Verein Heuneburg-Museum ausgerichtet. Originalfunde werden im Freilichtmuseum Heuneburg-Pyrene und im Keltenmuseum Heuneburg in Herbertingen-Hundersingen bis zum 5. November gezeigt. Im Umfeld der Heuneburg sind in den letzten Jahren weitere herausragende Funde und Entdeckungen gemacht worden, die den Stellenwert der Reiterei oder des Pferdes bei den Kelten zeigen. Geöffnet dienstags bis sonntags sowie feiertags 10 bis 16 Uhr. Erwachsene 3 €, Familien 6,50 €. (kf)

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