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Baden-Württemberg Handgranatenwurf wird für Security-Firmen zum Bumerang

Nach dem Villinger Handgranatenwurf gibt es erste Hintergründe zur Tat: Sie führen in ein Milieu des schnellen Geldes und der eiskalten Geschäfte mit den Flüchtlingen. Die Polizei hat derweil vier Verdächtige festgenommen. In den Fokus der Ermittlungen rückten auch Mitglieder von Security-Firmen.

Die Ermittlungen zum Handgranatenwurf in Villingen vor zwölf Tagen sind offenbar ein großes Stück weitergekommen. Die Polizei nahm am Rosenmontag vier Männer mit osteuropäischem Migrationshintergrund fest. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen einen fremdenfeindlichen Hintergrund aus.

Mehr wollen die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Am Mittwochabend teilte die Polizei mit, es seien mehrere Securityfirmen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar durchsucht worden. Unterlagen seien beschlagnahmt worden. Diese gelte es nun auszuwerten. Weitere Festnahmen seien nicht erfolgt.

Nach SÜDKURIER-Informationen führt die Spur der Ermittler in das kriminelle Milieu rockerähnlicher Gruppierungen. Es handelt sich dabei um Banden, die sich kleiden wie Rocker, aber nicht Motorrad fahren. Das Geschäft dieser Gruppen beschäftigt den Rechtsstaat seit Jahren auch im Rahmen sogenannter Türsteher-Konflikte. „Auch hier ging es immer um das schnelle Verdienen von ganz viel Geld. So wie jetzt bei den Flüchtlingen“, berichtet ein Informant dieser Zeitung.

Dass die Festgenommenen laut Ermittlern einen osteuropäischen Migrationshintergrund haben, ist zwar eine wesentliche Erkenntnis, die ein fremdenfeindliches Motiv ausschließen lässt. Die Hintergründe der Tat könnten aber auch ein Licht auf Sicherheits-Unternehmen werfen, die Probleme mit schwarzen Schafen in den eigenen Reihen haben. Nach Informationen dieser Zeitung hatte die Sonderkommission der Polizei in den vergangenen zwölf Tagen nur wenige Anhaltspunkte. Dabei soll sie sich auf die Frage konzentriert haben, wer für den Umgang mit Waffen und – wie in diesem Fall – mit Kriegswaffen infrage kommt. Damit gerieten die Rocker und rockerähnliche Gruppierungen ins Visier der 75-köpfigen Sonderkommission. Über einhundert Vernehmungen sollen die Beamten, wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, vor allem unter Mitgliedern von polizeibekannten und teils gewalttätigen Banden geführt haben.

Wie der SÜDKURIER erfuhr, soll es im Hintergrund auch um Gebietsansprüche gehen, die von Mitgliedern unterschiedlicher Sicherheitsfirmen offenbar gegeneinander erhoben werden. „Und es geht immer wieder darum, dass hier auf recht einfache Weise sehr schnell sehr viel Geld zu verdienen ist,“ sagte gestern ein Kenner der Szene, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die Verantwortung für die Aufsicht der Security-Firmen obliegt in Villingen-Schwenningen dem Freiburger Regierungspräsidium. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte ein Sprecher der Behörde zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar abgeben.

Security-Firmen unterliegen selbst einem internen Prozess, um die besondere Geschäftsfähigkeit ihrer Mitarbeiter nachzuweisen. Dazu gibt es bei den Handelskammern spezielle Seminare. Die Teilnahme eines jeden Mitarbeiters wird mit Dokumenten hinterlegt. Nach gesicherten Informationen unserer Redaktion gab es hier zuletzt immer wieder Nachweisprobleme für die Security-Unternehmen. Zumindest bei einigen Mitarbeitern sollen diese grundlegenden Fortbildungsnachweise nicht vorgelegt worden sein. Vor Monaten soll es in mehreren Einzelfällen zu kritischen Nachfragen der Behörden gekommen sein.

Wie das Polizeipräsidium Tuttlingen in einer Presseerklärung mitteilte, fanden am Mittwoch Durchsuchungen bei mehreren Sicherheitsfirmen statt. Festnahmen habe es nicht gegeben, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Abend mit.

Allerdings seien bei den Razzien an mehreren Orten im Landkreis Tuttlingen sowie im Schwarzwald-Baar-Kreis Unterlagen beschlagnahmt worden. Diese würden nun ausgewertet.

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