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Konstanz/Kreuzlingen Deutsche in Kreuzlingen fühlen sich diskriminiert

Erstmals haben Wissenschaftler die Integration in Nachbarschaften untersucht. Das Ergebnis für die Grenzregion Konstanz-Kreuzlingen ist überwiegend erfreulich. Nur die Deutschen in Kreuzlingen fühlen sich diskriminiert.

Leben mit dem Schweizerkreuz: Eine Studie der Universität Konstanz brachte gemischte Ergebnisse zur Integration hervor.
Leben mit dem Schweizerkreuz: Eine Studie der Universität Konstanz brachte gemischte Ergebnisse zur Integration hervor. | Bild: Bild: dpa

Konstanz/Kreuzlingen – Die gute Nachricht vorneweg: Sowohl in Konstanz als auch im benachbarten Kreuzlingen fühlen die Bürger sich überdurchschnittlich gut integriert. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Konstanz. Einen Ausreißer stellen allerdings die Deutschen dar, die im Schweizerischen Kreuzlingen leben. Über ein Drittel der Befragten fühlt sich diskriminiert.

Mit der Studie „Soziale Integration in multikulturellen Gesellschaften – eine Analyse von Nachbarschaften der Städte Konstanz und Kreuzlingen“ haben sich der empirische Sozialforscher Thomas Hinz und der Politologe Markus Freitag erstmals auf die lokale Ebene begeben, anstatt ganze Nationen oder Großstädte zu untersuchen. Die Frage der Wissenschaftler war: Wer ist warum integriert und wer nicht? Fühlen Menschen sich wohler, wenn ihre Nachbarn sehr ähnlich sind, oder sind sie eher zufrieden, wenn sie Fremdes kennenlernen? Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die meisten Menschen trotz unterschiedlicher Herkunft gut miteinander auskommen. „Konstanzer und Kreuzlinger fühlen sich in ihrer Nachbarschaft überwiegend wohl und sicher, sie vertrauen einander und haben regelmäßig Kontakt“, fasst Markus Freitag zusammen. Das Verhältnis zwischen Einheimischen und Personen mit Migrationshintergrund sei trotz kleinerer Spannungen in beiden Städten gelöst.

Überrascht hat die Autoren der Studie vor allem das hohe Maß an inter-ethischen Beziehungen: Konstanzer und Kreuzlinger geben an, dass wichtige Bezugspersonen – mit denen sie persönliche Dinge besprechen und die Freizeit verbringen – zu 39 Prozent aus einem anderen Land stammen als sie selbst (Verwandte ausgenommen). Positiv sei auch das große Engagement in Vereinen dies- und jenseits der Grenze, so Thomas Hinz. Knapp 60 Prozent der Konstanzer mit Migrationshintergrund sind aktive Vereinsmitglieder; in Kreuzlingen engagieren sich sogar über 60 Prozent der Migranten.

Dass die Deutschen, die in Kreuzlingen leben, bei fast allen Werten eine Ausnahme bilden, überrascht die Autoren der Studie nicht wirklich. „Die Deutschen leben im Schnitt erst seit rund fünf Jahren in Kreuzlingen, während andere Migranten dort schon seit über 25 Jahren zuhause sind“, so Thomas Hinz. Integration brauche eben Zeit. Dabei sind die Zahlen deutlich: 37 Prozent der deutschen Befragten, die in Kreuzlingen leben, fühlen sich diskriminiert – und nur knapp neun Prozent dieser Gruppe empfinden Zugehörigkeit zur Kreuzlinger Gesellschaft. Bei Personen mit anderem Migrationshintergrund ist das immerhin zu einem Drittel der Fall. Für die Kreuzlinger Integrationsbeauftragte Zeljka Blank-Antakli besteht trotz dieser Werte kein Grund zur Sorge: „Ich erlebe die Deutschen in Kreuzlingen im Alltag nicht als integrationsresistent“, sagt sie. Dennoch werde sie der Frage nachgehen, warum so viele Deutsche sich diskriminiert fühlen. „Das kann ja viele Gründe haben“, sagt sie.

Für Handlungsvorschläge an die Politik sei es noch zu früh, betonen die Wissenschaftler. Die Kreuzlinger Stadträtin Dorena Raggenbass jedenfalls ist für die Zahlen dankbar: „Wir haben einen Ausländeranteil von fast 50 Prozent“, sagt sie. „Für uns Politiker fängt die Arbeit mit dieser Studie erst an.“

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