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Waldshut/Leibstadt Atomkraftwerk an der Grenze: Die Bevölkerung ist wegen Leibstadt verunsichert

Mitte des Monats soll das schadhafte Atomkraftwerk Leibstadt wieder in Betrieb gehen. Die Kritiker halten das für verfrüht

Mit Atomstrom lässt sich laut Klagen der Schweizer Kraftwerksbetreiber kaum noch Geld verdienen. Mit einem still stehenden Atomkraftwerk (AKW) erst recht nicht. Das seit August 2016 wegen korriodierter Brennelemente still stehende AKW im aargauischen Leibstadt soll trotz Unklarheit der zu den Schäden führenden Umstände laut Plänen der Kraftwerksleitung Mitte Februar wieder in Betrieb gehen. Man gehe davon aus, dass der im Dezember 2016 bei der Schweizer Atomaufischt Ensi abgegebene Sicherheitsnachweis für den Weiterbetrieb ausreiche, so AKW-Sprecher Christian Schubert gegenüber dem SÜDKURIER.

Für die Wiederaufnahme des Betriebs sollen laut Schubert die „Betriebsbedingungen angepasst“ werden. Unbestätigt ließ er dabei, dass es sich bei dieser Anpassung um eine zehnprozentige Leistungsminderung handeln soll. Bestätigt hat er dagegen die durch den AKW-Stillstand entstandenen finanziellen Verluste: Pro Tag Stillstand rund eine Million Franken Betriebsausfallkosten.

Leistungsminderung ist neu in Leibstadt. Bisher war Leistungssteigerung ein Thema. 2001 genehmigte die damalige Atomaufsicht HSK eine dauerhafte Leistungssteigerung um 14 Prozent. Korrosionsprobleme sind nicht neu. 2007 zum Beispiel wurden Schäden festgestellt und durch Änderung der chemischen Zusammensetzung des Kühlwassers behoben.

Bei den gegenwärtigen Korrosionsschäden, die 2014 sogar zu einem Leck in einem Brennelement geführt haben, handle es sich um „kritische Siedezustände im Reaktor“, um sogenannte Dryouts, wie Kraftwerksleiter Andreas Pfeiffer gegenüber Schweizer Medien sagte. Dryouts sind Situationen, in denen Brennelemente stellenweise keinen Kontakt zum Kühlwasser haben und deshalb überhitzen. Die Ursache ist noch nicht ermittelt.

Keinen Termin für das Wiederanfahren des AKW Leibstadt nannte am Donnerstag Ensi-Sprecher Sebastian Hueber. Die Prüfung des vom AKW eingereichten Sicherheitsnachweises sei noch nicht abgeschlossen. Nur das Beladen des Reaktors sei genehmigt. Kritisch sehen die Wiederanfahrpläne Greenpeace Schweiz und die Staatssekretärin im deutschen Umweltministerium Rita Schwarzelühr-Sutter.

„Solange man im Dunklen tappt, sollte eine Wiederinbetriebnahme nicht in Frage kommen“, so Florian Kasser, Greenpeace-Atomexperte. „2014 wurde das AKW Leibstadt wegen Schwachstellen an Hüllrohren in den Brennelementen vom Netz genommen. Nun gab es erneut eine Zwangspause. Daher ist verständlich, dass es eine hohe Verunsicherung in der Bevölkerung gibt. Es ist aus Sicht des BMUB von großer Bedeutung, die Ursachen für die Schäden an den Hüllrohren restlos aufzuklären. Letztendlich liegt jedoch die alleinige Entscheidungsgewalt bei der Schweizer Atomaufsicht Ensi“, so die SPD-Politikerin Schwarzelühr-Sutter.

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