Lesermeinung Kein Meisterstück an Demokratie
27.11.2009
Als Schulleiterin der katholischen Mädchenrealschule St. Elisabeth in Friedrichshafen bin ich zurzeit besorgt um die Finanzierung privater und freier Schulen. Deshalb suche ich das Gespräch mit unseren Landtagsabgeordneten aller Parteien. Ulrich Müller (CDU) und Hans-Peter Wetzel (FDP) waren schon bei uns an der Schule und ich konnte in guten Gesprächen erfahren, wie sie zu unserem Problem stehen.
Leider mussten unsere Schülerinnen und deren Eltern vergangene Woche eine ganz andere Erfahrung mit Politikern machen. Von mir herzhaft ermuntert, an der Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen am CDU-Parteitag mitzuwirken und ihre eigenen Interessen zu vertreten, waren sie zahlreich und gut informiert vor der Neuen Messe erschienen, um die Aufmerksamkeit und das Interesse der Politiker zu wecken.
Was sie dort erleben mussten, war allerdings unglaublich! An einer Hand konnte man die Politiker zählen, die sich kurz der Menschengruppe zuwandten. Alle anderen gingen oder fuhren an den rund 800 meist jungen Leuten vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Allen voran unser künftiger „Landesvater“.
Mich macht dieses Verhalten sehr betroffen: Auf der einen Seite über Politikverdrossenheit zu klagen, Engagement und Zivilcourage von Jugendlichen einzufordern und auf der anderen Seite eine Kundgebung so vieler junger Leute mit ihren Eltern und Lehrern in solch oft sogar arroganter Weise zu ignorieren, das darf nicht unkommentiert bleiben. Ich hoffe von Herzen, dass die jungen Menschen nicht mit dem Gefühl nach Hause gegangen sind, dass ihre Meinung nicht von Bedeutung ist und dass Politik eine Welt ist, an der sie nicht teilhaben können. Ich für meinen Teil werde unsere Schülerinnen weiterhin ermuntern, ihre Überzeugungen zu vertreten, privat wie öffentlich und im demokratischen Rahmen.
Als bekennende CDU-Sympathisantin muss ich heute leider sagen: Liebe CDU-Politiker – das war wahrlich kein Meisterstück an Demokratie!