Lesermeinung An junge Leute denken
24.02.2010
Als ich über das Problem der Bad Säckinger Tanzlokale Feelings und Titanic gehört, beziehungsweise gelesen habe, musste ich lachen und war aber auch wütend zugleich. Einem Tanzlokal, das sich abseits der Stadt befindet und nur am Wochenende betrieben werden kann, werden in der Öffnungszeit zwei wichtige Stunden genommen. Hier wird die Existenz des Betreibers und die damit verbundene Schließung der Lokale billigend in Kauf genommen. Dies soll so geschehen, weil die Polizei es so will, damit die Beamten am Wochenende pünktlich Feierabend machen können. Wer hat das so zu bestimmen? Leben wir in einer Demokratie oder einem Polizeistaat? Wer in seinem Berufsleben immer pünktlich Feierabend machen möchte, der sollte Bäcker oder Buchhalter werden, aber nicht Polizeibeamter. Auf diesem Weg möchte ich meinen Respekt den Sanitätern und Notärzten aussprechen, für die es keine Uhrzeit gibt, wenn sie im Einsatz sind! Niemand sucht sich die Zeit aus, um sich zu schlägern oder an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Polizei hat von 27 Einsätzen, welche innerhalb eines Jahres gemacht wurden, berichtet. Wobei zehn Fälle davon Bagatellschäden an Fahrzeugen waren. Bleiben also 17 Einsätze übrig, welche dem Tanzlokal zur Last fallen. Bei 52 Wochen, die das Jahr hat, multipliziert mit zwei Öffnungstagen pro Woche (Freitag und Samstag), macht das in der Summe 104 Öffnungstage im Jahr. Dem gegenüber stehen nur 17 Einsätze. Städte wie Lörrach oder Weil am Rhein würden darüber schmunzeln. In Freiburg würde man darüber laut lachen, und für einen Berliner Polizeibeamten wäre es in Bad Säckingen wie im Urlaub.
Hat man auch eine Statistik über Fasnacht, Straßenfeste, Fußball-EM oder WM-Veranstaltungen und so weiter? Hier ist die Polizei von vornherein anwesend. Wer trägt die Kosten dafür? Die Gastronomie sorgt wenigstens für Beschäftigungen in der Stadt und bezahlen Steuern. Die Tanzlokale Feelings und Titanic verstärken ständig das Sicherheitspersonal und übernehmen für die Polizei die Drecksarbeit. Die Kosten für Sicherheitspersonal, was die Betreiber zu tragen haben, steigen jährlich enorm in die Höhe. Hat die Polizei auch ein bisschen an die jungen Leute gedacht? Wo sollen unsere Jugendlichen hin? Müssen sie mit dem Auto unterwegs sein, um nach Waldshut, Lörrach oder Freiburg zu fahren? Soll alles nur in eine andere Stadt verlagert werden, damit die Bad Säckinger Polizei ein ruhiges, gemütliches Wochenende hat? Wie denken Polizeikollegen aus anderen Städten darüber? Wir arbeiten in Deutschland genug und haben auch das Recht, ausgiebig bis in die Morgenstunden zu feiern, oder müssen wir warten, bis wir nach Mallorca fliegen können, um uns dort auszutoben? Die spanische Polizei würde ganz schön verdutzt schauen, wenn sie erfahren würde, mit welch lächerlichen Problemen wir uns hier auseinandersetzen, während jährlich hunderttausend Deutsche nach Mallorca fliegen, um dort bis in den frühen Morgen zu feiern. Ich fordere die Stadt zum demokratischen Handeln auf. Die Tanzlokale in Bad Säckingen sollen auch in den Genuss der verkürzten Sperrzeiten kommen. Alles andere wäre unfair, undemokratisch und wettbewerbsverzerrend. Was soll aus Bad Säckingen werden, wenn Feelings und Titanic ihre Tore schließen? Geht dann die Bad Säckinger Polizei in den Vorruhestand?