Der Mann, der im Augenblick die Republik aufwühlt wie kein anderer, hat die Schraube überdreht: Seine Bemerkungen über die genetische Veranlagung von Völkern sind völlig daneben. Wer so argumentiert, stellt sich selbst ins Abseits.
Das ist ärgerlich, denn der ehemalige Berliner Finanzsenator wirft berechtigte Fragen auf. Sie treffen den Nerv einer Gesellschaft, die selbst nicht weiß, wer sie sein will, und daher seit Jahrzehnten an der Integration ihrer Minderheiten scheitert. Eine offene, ehrlich geführte Debatte darüber ist überfällig. Wer aber braucht eine Diskussion um die Frage, „ob alle Juden ein bestimmtes Gen teilen“, wie der 65-Jährige in einem Interview anmerkte? So wird das Thema verfehlt, die Debatte entgleitet.
Mit Merksätzen aus der Rassenlehre und den Mendelschen Gesetzen lassen sich die Probleme des Einwanderungslandes Deutschland nicht lösen. Der Sozialdemokrat Sarrazin hat seine Bemerkungen zwar umgehend relativiert und gerade gerückt. Seine These von der kollektiven Vererbbarkeit von Intelligenz schreit aber geradezu nach Beifall aus der falschen Ecke. Denn unter allen ansteckenden Geisteskrankheiten ist der Rassismus die gefährlichste. Nach Ansicht einiger Experten ist er die älteste und zugleich primitivste Ideologie der Welt. Sie sagt: Die anderen sind anders. Sie sehen anders aus und sind deshalb schlechter als wir.