Soviel Blamage war selten. Das Gezerre um die Kunstsammlung des Hauses Baden entwickelt sich zur Posse. Am Anfang war die Drohung des Adelshauses, Handschriften und andere für die Landesgeschichte wertvolle Kunstschätze zu verkaufen. Statt sich auf einen Prozess einzulassen, um die seit Ende der Monarchie verworrenen Eigentumsverhältnisse endgültig zu klären, verlegte sich der Ministerpräsident auf Heimlichtuerei und versucht mit einer klammheimlichen Hilfszusage an den Erbprinzen Kabinett und Landtag zu überrumpeln. Doch rechtzeitig wurde Günther Oettinger beim Mauscheln ertappt. Kleinlaut suchte er neue Wege und verlegte sich zwecks Alimentierung des verarmten Adels auf Spendenaufrufe. Fast hätte er Geld gesammelt für den Kauf eines Bildes, das dem Land offenbar schon lange gehört.
Seit dem Verkauf der Fürstenbergschätze weiß man, dass die Fachwelt bei solchem Antiquitätenhandel sehr wachsam ist. Also müssen es die Verkäufer und ihre Helfer auch sein. Dass sie aber nicht einmal eine gründliche Bestandsaufnahme der Schätze gemacht haben - das ist nur noch peinlich.