In der Bevölkerung ist die Mehrheit für den Afghanistan-Einsatz längst gekippt. Im Bundestag noch nicht. Die gestern beschlossene Verlängerung des Mandats um ein weiteres Jahr, verbunden mit einer Aufstockung um 850 Soldaten, dürfte zwar noch nicht die letzte gewesen sein – aber die vorletzte. Denn jetzt will auch die SPD ein Abzugsdatum sehen, so wie Grüne und Linke schon lange. Auch bei Union und Liberalen wächst die Zahl der Kritiker.
Jetzt aber unternimmt die Staatengemeinschaft endlich jene Anstrengung, die sie schon ab 2002 hätte aufbieten sollen. Mit entschlossener Truppenpräsenz, die auch nachwirkt, wenn man Taliban aus Regionen vertrieben hat. Mit dem strikten Befehl, Kollateralschäden zu vermeiden. Und mit verstärkten Anstrengungen für den zivilen Wiederaufbau, inklusive des Aufbaus afghanischer Sicherheitskräfte.
Was noch fehlt ist die politische Suche nach einer Verhandlungs- und Friedenslösung und nach einer Regierung, die akzeptierter ist als die von Präsident Karsai. Das könnte, wenn es nicht bald nachgeholt wird, noch zur Achillesferse der neuen Afghanistan-Strategie werden.