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19.02.2013  |  6 Kommentare

Villingen-Schwenningen Staatsanwalt ermittelt: Verdacht auf Insolvenzverschleppung

Villingen-Schwenningen -  Den Beschäftigten der Hess AG bleibt nichts erspart: Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Neuer vorläufiger Insolvenzverwalter ist Volker Grub. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung.

Martin Mucha

Volker Grub



Den Beschäftigten der Hess AG bleibt nichts erspart: Erst wird der Doppelvorstand wegen Verdachts auf Bilanzmanipulation und Anlegerbetrug gefeuert, dann muss die Firma nur vier Monate nach dem Börsengang die eigene Zahlungsunfähigkeit anzeigen.

Und jetzt geht auch noch der vorläufige Insolvenzverwalter von Bord. Martin Mucha, vergangene Woche erst vom Gericht als Sanierer benannt, zog sich selbst am Montag aus seiner Position zurück. Er befürchtet Interessenkonflikte.

Die gute Nachricht für alle Hess-Beschäftigten und durchaus auch für alle Gläubiger des Unternehmens ist: Neuer vorläufiger Insolvenzverwalter bei der Hess AG ist Muchas Kanzlei-Partner Volker Grub. Der Grandseigneur der Branche sanierte in VS die Villinger Zimmerei Ettwein.

Grub bewältigte über 500 Insolvenzfälle, darunter die Schiesser AG, Kreidler, Bauknecht, Südmilch, Brokat und viele andere. Grub selbst schrieb maßgeblich an der Erstfassung des neuen deutschen Insolvenzrechtes mit, das die frühere Konkursordnung ablöste.

Die markanteste Veränderung seither: Insolvenzverwalter versuchen, die Firmen weiterzuführen, es geht um die Sicherung der Arbeitsplätze. Bei der Hess AG hat diesen ersten Arbeitsschrift Martin Mucha erfolgreich bewältigt. Das Insolvenzgeld für die Belegschaft ist gesichert.

Mucha konzentriert sich ab sofort auf die Neuordnung des Produktionsstandortes der Hess AG in Löbau. Die als Lichttechnik GmbH firmierende Adresse ist ebenfalls im vorläufigen Insolvenzverfahren. Mucha wolle, so hieß es am Montag in einer Mitteilung des Villinger Gerichts, nicht ausschließen, dass Ansprüche von Löbau an die Villinger AG entstehen könnten.

Chronologie der Hess-Turbulenzen


 

Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
  • Montag, 18. Februar: Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Er befürchtet Interessenskollission. Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Volker Grub bestellt. Zum Artikel
  • Dienstag, 19. Februar: Die Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigt, dass sie jetzt auch wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. Auch die Finanzaufsicht „Bafin“ hat sich eingeschaltet.Zum Artikel
 

Deshalb benannte das Gericht nun kurzerhand Volker Grub zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter der Aktiengesellschaft. Mucha sagte Montagabend zum SÜDKURIER, ein Team seiner Kanzlei prüfe nun die Firma. Zu Standortfragen und Bilanzdimensionen könne er sich derzeit nicht äußern. Ein Zukunftskonzept sei noch nicht fertig.

Er begründete dies so: Die Hess Ag sei „ein verschachteltes Unternehmen“, die Einarbeitungszeit in die Bücher sei hoch. Laut Mucha sind die bisher in der Firma tätigen Wirtschaftsprüfer nun wieder abgezogen, ebenso wie zahlreiche Rechtsberater, welche hier zugange gewesen sein sollen.

Die Rede war von einem Team von rund 20 Mann, das der neue Alleinvorstand mit in die Firma gebracht hatte. Nach SÜDKURIER-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt auch wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung.

Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

Diese Vermutung habe ich bereits geschrieben
Wenn die Hess AG tatsächlich in nur 4 Monaten 40 Millionen Euro vervespert hat war sie nach ... mehr ...
Hess AG hat keine 40 Millionen vervespert.......
Beim Börsengang im Oktober 2012 hat die Hess AG durch die Ausgabe von zirka 2,6 Mio. mehr ...
Um eventuelles Missverständnis auszuräumen....
"da Geschäftsbeziehung zwischen diesen üblich sind. mehr ...
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