Beides ist nicht gut für das Unternehmen. Die Börse quittierte die Ereignisse mit satten Kursverlusten in der Höhe von über 30 Prozent allein im Verlauf des Dienstags.
Langsam darf man die Frage stellen, ob hier jemand die Karre gegen die Wand fahren will, um dann die Einzelteile gewinnbringend zu verkaufen. Bei der jetzt ganz klar am Rande der Insolvenz kämpfenden Firma geht es um alles. Vor allem aber: Um 360 Arbeitsplätze und die damit verbundenen Familienschicksale.
Die neue Firmenleitung richtet ihren Blick scheinbar nicht nach vorne. Bis heute gibt es keine Aussagen zu einem Zukunftskonzept und deshalb darf sich die Firma nicht wundern, wenn – wie jetzt in Sachsen geschehen – die Löhne von den Hausbanken nicht mehr angewiesen werden.
Ein solcher Vorgang ist vor allem auch eine schallende Ohrfeige für den neuen Vorstand. Er hat es damit nicht geschafft, vertrauensbildend zu wirken. Und es geht vor allem um Vertrauen. Die Banken haben offenkundig die Bremse gezogen. Die Institute verleihen mit weiteren Darlehen an die Hess AG nichts anderes als die Anlagegelder ihrer Kunden. Das Risiko, noch mehr frisches Geld für die Hess AG bereit zu stellen, scheint vielen aktuell zu hoch.
Es fehlt die klare Linie, welche der Vorstand vorgeben muss. Er agiert stattdessen rückwärtsgewandt, investiert massive Ressourcen für die Vergangenheitsbewältigung. Das könnte sich als schwerer Fehler herausstellen. Dann nämlich, wenn die Banken nicht dem Wunsch von Hess-Chef Becker um Stillhalten entsprechen und stattdessen Fakten schaffen.
Die Hess AG gibt jetzt ein konfuses Bild ab. In der Firma ist ein Heer von Anwälten und Wirtschaftsprüfern zu Gange, angeblich 20 Personen. Jeder einzelne sehr teuer. Parallel kann das Unternehmen nicht alle Januar-Lohnansprüche erfüllen. Das ist Missmanagement zu Lasten der Beschäftigten.
Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.
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