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18.02.2013  |  2 Kommentare

Villingen-Schwenningen Insolvenzverwalter: Martin Mucha gibt Hess-Mandat ab

Villingen-Schwenningen -  Neue Kapriolen in der Pleite der Hess AG: der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Er befürchtet Interessenskollission!

Martin Mucha  Bild: Bjoern Haenssler



Martin Mucha
In der Erklärung der Behörde heißt es im Wortlaut: „In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der im Handelsregister von Freiburg (HRB 700976) eingetragenen Hess AG, vertr. d. d. Vorstand Dr. Till Becker, Lantwattenstraße 22, 78050 Villingen-Schwenningen wird heute, am 18.02.2013, um 15.00 Uhr, zur Sicherung der künftigen Insolvenzmasse und zur Aufklärung des Sachverhalts angeordnet (§§21, 22 InsO):

Der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Martin Mucha wird auf seinen Antrag hin wegen zu befürchtender Interessenkollision (§ 181 BGB) als vorläufiger Verwalter der Firma Hess AG Villingen-Schwenningen aus dem Amt entlassen. Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Volker Grub (Kanzlei Grub Brugger & Partner), Reinsburgstr. 27, 70178 Stuttgart, Tel.: 07 11 / 966-890, bestellt.

Gründe: Mit Beschluss vom 13.02.2013 hat das Gericht Herrn Rechtsanwalt Martin Mucha (Kanzlei Grub Brugger und Partner, Stuttgart) zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Firma Hess AG und der Tochtergesellschaft Heß Lichttechnik GmbH Löbau bestellt. Mit Antrag vom 18.02.2013 beantragt der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Martin Mucha seine Entlassung, da eine Interessenkollision i.S.d. § 181 BGB zu befürchten sei.

Durch die enge Beziehung der Tochtergesellschaft zur Firma Hess AG sei nicht auszuschließen, dass die Heß Lichttechnik GmbH eigene Ansprüche gegen die Muttergesellschaft hat und umgekehrt, so dass der bisher bestellte vorläufige Insolvenzverwalter in einer Person beiderseitige Ansprüche prüfen und durchsetzen müsste (unzulässiges Insichgeschäft, § 181 BGB).

Es liegt damit ein wichtiger Grund für die Entlassung vor. Es erscheint sachdienlich, für jedes Verfahren einen eigenen vorläufigen Insolvenzverwalter einzusetzen, um ein entsprechende Interessenkollision von vornherein zu vermeiden. Die Entlassung erfolgt nach einvernehmlicher Rücksprache und auf einen entsprechenden Antrag des bisherigen vorläufigen Insolvenzverwalters Herrn Rechtsanwalt Martin Mucha.

Herr Rechtsanwalt Martin Mucha bleibt der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter im Verfahren über das Vermögen der Heß Lichttechnik GmbH Löbau (Az. 1 IN 22/13).Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter für die Firma Hess AG wird Herr Rechtsanwalt Dr. Volker Grub bestellt. An seiner Eignung und Unabhängigkeit bestehen keine Zweifel, § 59 Abs. 1 InsO. Durch die Bestellung zweier vorläufiger Insolvenzverwalter aus einer Kanzlei ist gewährleistet, dass die für den Erfolg der Verfahren erforderliche schnelle und sachgerechte Abstimmung zwischen beiden Verwaltern gegeben ist, sowie die Verfolgung des gemeinsamen Zieles, nämlich die Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze durch eine erfolgreiche Sanierung und Betriebsfortführung, gefördert werden kann.“

Mucha selbst war am Montagnachmittag nicht zu einer Stellungnahme bereit.
 

Chronologie der Hess-Turbulenzen


 

Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
  • Montag, 18. Februar: Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Er befürchtet Interessenskollission. Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Volker Grub bestellt. Zum Artikel
 

Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

Hohe Mitschuld von Sparkasse Schwarzwald-Baar, LBBW und Wirtschaftsprüfern?
So laut Artikel der FAZ vom 14.02.2013:
http://www.faz. mehr ...
Heikel, heikel.......wegen Interessenkollision
Laut § 3 II 1 BORA gibt es auch ein "Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen innerhalb ... mehr ...
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