Zwei Millionen Euro gibt es vom Bundesforschungsministerium, um die stromsparenden, aber noch teuren Leuchtdioden in der Altstadt zu testen. Alle 555 Leuchten für das Projekt stammen von der Firma Hess. Sie stecken inzwischen in den Gusslaternen der Kaiser-Joseph-Straße, beleuchten weitere Innenstadtbereiche, das Rathaus, den Stadtgarten und – als Highlight – das Münster.
Der renommierte Leuchtenspezialist hatte das Wahrzeichen der Stadt mit Prototypen in Szene gesetzt. Doch nach fünf Monaten mussten die Bodenstrahler vergangenen August ausgetauscht werden, weil Kondenswasser drin war. Ein Garantiefall, kein Problem. Doch am Mittwoch hat die Hess AG Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Aufsichtsrat Ende Januar schon plötzlich den Vorstandschef entließ und der Staatsanwalt Ermittlungen wegen Verdachts auf Betrug und Bilanzfälschung aufnahm.
Die Freiburger Stadtverwaltung versucht nun zu klären, wie es mit der zweijährigen Gewährleistung für die Hess-Leuchten aussieht, sagte Rathaussprecherin Martina Schickle. „Unser Ansprechpartner ist jetzt der Insolvenzverwalter.“ Dieser entscheide auch über den finanziellen Abschluss des Projekts. „Die Fachleute im Garten- und Tiefbauamt sind mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt“, sagte Martina Schickle. Die Finanzen selbst, mit dem Volumen von zwei Millionen Euro, laufen komplett über das Bundesministerium.
Die Stadtverwaltung hat allerdings die letzten acht Leuchten bezahlt, die zum Abschluss des Projekts noch fehlen: Sie sollen das Martinstor und das Schwabentor anstrahlen. „Die Firma Hess hat uns zugesagt, dass sie nächste Woche eingebaut werden“, sagte Martina Schickle und wies darauf hin: „Die Firma ist insolvent, aber der Betrieb läuft weiterhin.“ Ansonsten hofft die Stadtverwaltung, dass sie die Garantie in den ersten beiden Jahren überhaupt nicht in Anspruch nehmen muss.
Der LED-Masterplan des Garten- und Tiefbauamts soll pro Jahr 100 000 Kilowattstunden Energie sparen. Offiziell ist das Projekt schon seit dem Jahreswechsel beendet – nach einer Verlängerung: Das Forschungsministerium hatte für die Umsetzung und die Finanzierung des Konzepts eine Frist von 18 Monaten gesetzt.
Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.
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