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06.02.2013  |  von Gerhard Hauser  |  3 Kommentare

Villingen-Schwenningen Hess: Ex-Vorstände attackieren neue Unternehmensspitze frontal

Villingen-Schwenningen -  Der größte Aktionär, die Grundstücks GmbH von Christoph und Jürgen G. Hess soll sich mit einer beträchtlichen Summe an der Sanierung beteiligen. Die bisherigen 1,35 Millionen Euro reichen Banken und Unternehmen nicht.

Größere Tochtergesellschaften der Hess AG: Emdeligth in Frankfurt/Main, Hess Lichttechnik in Löbau und Vulkan in Hannover.  Bild: Hess AG / SÜDKURIER-Grafik

Autor
Gerhard Hauser
Redakteur Villingen-Schwenningen

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Die Lage des ins Schlingern geratenen mittelständischen Leuchtenherstellers Hess verschärft sich zusehends, der Ton zwischen der alten und der neuen Führung ebenfalls. Bei der größten Tochtergesellschaft, der Hess Lichttechnik in Löbau, ist ein vorübergehender Liquiditätsengpass aufgetreten. Allerdings werden diese Woche die Löhne und Gehälter für Januar ausbezahlt, kündigte Unternehmenssprecher Marco Walz gestern auf Anfrage an.

Außerdem soll sich der größte Aktionär, die Hess Grundstücksverwaltungs-GmbH, „mit erheblichen finanziellen Beiträgen“ an der Sanierung und Restrukturierung der Hess AG beteiligen, wie aus einer Ad-hoc-Meldung des Unternehmens hervorging.


Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
 


Hinter der Grundstücksverwaltungs-GmbH verbirgt sich vor allem Christoph Hess, der frühere Vorstandsvorsitzende der Hess AG, der wie berichtet nach Verdacht auf Finanzmanipulationen zusammen mit Finanzvorstand Peter Ziegler freigestellt wurde. Mit einem kleineren Anteil ist zudem Vater Jürgen G. Hess beteiligt, der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Hess AG tätig ist.

Schlag auf Schlag

Gestern Nachmittag nun ging es Schlag auf Schlag: Zunächst reagierten Christoph Hess und Peter Ziegler auf die Forderung der Hess AG sowie der Banken. Die Grundstücksverwaltungs- GmbH habe bereits am Montag einen Betrag von 1,35 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto einbezahlt, der von dort jederzeit per Blitzüberweisung an die Hess AG weitergeleitet werden könne, teilten sie in einer Pressemitteilung mit.

Weil Zweifel aufkamen, ob der Vorstand der Hess AG aber überhaupt eine Sanierung des Unternehmens wolle oder auf eine Insolvenz hinarbeite, sei die Freigabe der Gelder unter eine einzige Bedingung gestellt, hieß es weiter.

Der Vorstand der Hess AG müsse gegenüber dem Treuhändler erklären, dass weder die Hess AG, noch deren Berater oder die eingebundenen Banken zum jetzigen Zeitpunkt und im Falle einer Zahlung Kenntnis davon hätten, dass die Insolvenz unabwendbar wäre. Diese Erklärung sei bisher unterblieben, betonten Hess und Ziegler.

Vertraulichkeit vereinbart

Auf diese Pressemitteilung reagierte gestern Abend Unternehmenssprecher Walz verwundert: Zwischen den Parteien sei strikte Vertraulichkeit vereinbart gewesen. Diese hätten die Herren Hess und Ziegler nun gebrochen. Zudem teilte er mit, dass die von der Grundstücks GmbH angebotene Summe von 1,35 Millionen Euro weit unter dem liege, was die Banken fordern würden.

Letztendlich gehe es „nicht um ein Schwarze-Peter-Spiel“, sondern um die Zukunft des Unternehmens. Erst wenn der größte Aktionär einen substantiellen Beitrag zur Restrukturierung liefere, bestehe die Chance einer Fortführung. Unter welchen Bedingungen dies dann geschehen könnte, ob zum Beispiel Mitarbeiter entlassen oder Tochtergesellschaften abgestoßen werden, ließ Walz offen.

Unruhe in der Belegschaft

Inzwischen spüren auch die Hess-Mitarbeiter am Stammsitz in Villingen, welche Stunde geschlagen hat. Die Unruhe in der Belegschaft ist enorm hoch, vor allem nachdem die Runde machte, dass die Löhne in Löbau zunächst nicht bezahlt wurden.

Rund 50 Mitarbeiter informierten sich bei der IG Metall über die Gründung eines Betriebsrats, bestätigte der zweite Bevollmächtigte, Michael Ruhkopf. Dies würde etwa sechs bis acht Wochen dauern.

 

Weitere Bildergalerien

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

Herr Cuenot
So wie Sie Sich darüber ereifern, könnte man meinen, Sie gehören dazu.. mehr ...
@ Achim Fischer
Dass die Hess AG bewusst und mit Vollgas an die Wand gefahren wurde, halte ich u. a. mehr ...
Leider erwähnen die Redakteure des Südkurier in allen Berichten nicht.....
das, was sowohl der Grund für die Gerüchte der angeblichen fingierten Umsätze in zweistelliger ... mehr ...
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