Hinter der Grundstücksverwaltungs-GmbH verbirgt sich vor allem Christoph Hess, der frühere Vorstandsvorsitzende der Hess AG, der wie berichtet nach Verdacht auf Finanzmanipulationen zusammen mit Finanzvorstand Peter Ziegler freigestellt wurde. Mit einem kleineren Anteil ist zudem Vater Jürgen G. Hess beteiligt, der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Hess AG tätig ist.
Gestern Nachmittag nun ging es Schlag auf Schlag: Zunächst reagierten Christoph Hess und Peter Ziegler auf die Forderung der Hess AG sowie der Banken. Die Grundstücksverwaltungs- GmbH habe bereits am Montag einen Betrag von 1,35 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto einbezahlt, der von dort jederzeit per Blitzüberweisung an die Hess AG weitergeleitet werden könne, teilten sie in einer Pressemitteilung mit.
Weil Zweifel aufkamen, ob der Vorstand der Hess AG aber überhaupt eine Sanierung des Unternehmens wolle oder auf eine Insolvenz hinarbeite, sei die Freigabe der Gelder unter eine einzige Bedingung gestellt, hieß es weiter.
Der Vorstand der Hess AG müsse gegenüber dem Treuhändler erklären, dass weder die Hess AG, noch deren Berater oder die eingebundenen Banken zum jetzigen Zeitpunkt und im Falle einer Zahlung Kenntnis davon hätten, dass die Insolvenz unabwendbar wäre. Diese Erklärung sei bisher unterblieben, betonten Hess und Ziegler.
Auf diese Pressemitteilung reagierte gestern Abend Unternehmenssprecher Walz verwundert: Zwischen den Parteien sei strikte Vertraulichkeit vereinbart gewesen. Diese hätten die Herren Hess und Ziegler nun gebrochen. Zudem teilte er mit, dass die von der Grundstücks GmbH angebotene Summe von 1,35 Millionen Euro weit unter dem liege, was die Banken fordern würden.
Letztendlich gehe es „nicht um ein Schwarze-Peter-Spiel“, sondern um die Zukunft des Unternehmens. Erst wenn der größte Aktionär einen substantiellen Beitrag zur Restrukturierung liefere, bestehe die Chance einer Fortführung. Unter welchen Bedingungen dies dann geschehen könnte, ob zum Beispiel Mitarbeiter entlassen oder Tochtergesellschaften abgestoßen werden, ließ Walz offen.
Inzwischen spüren auch die Hess-Mitarbeiter am Stammsitz in Villingen, welche Stunde geschlagen hat. Die Unruhe in der Belegschaft ist enorm hoch, vor allem nachdem die Runde machte, dass die Löhne in Löbau zunächst nicht bezahlt wurden.
Rund 50 Mitarbeiter informierten sich bei der IG Metall über die Gründung eines Betriebsrats, bestätigte der zweite Bevollmächtigte, Michael Ruhkopf. Dies würde etwa sechs bis acht Wochen dauern.
Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.
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