Und mittendrin: Christoph Hess. Sein traditioneller Platz an der Fastnacht blieb leer, keine Auftritte mit seinem Fastnachtsverein. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Hess AG steht unter schwerem Verdacht. Treffen die Verdächtigungen zu, wurden nicht nur Banken geleimt sondern auch Zehntausende von Kapitalanlegern, die in den guten Namen Hess ein paar Hunderter investiert und nun so gut wie komplett ihr Kapital verloren haben.
Dabei schien die Hess-Aktie beim Börsengang so sicher. Old economy, also keine Software, keine Computersachen. Laternenpfähle vielmehr und weltweites Geschäft, das klang solide. Nun verbreitet die Firma an Aschermittwoch ein Papier, das sich wie eine Generalabrechnung mit den alten Chefs liest und das aufführt, dass die Firma in den letzten Jahren stets mehr Geld ausgegeben als eingenommen haben soll. Die Frage drängt sich auf: Weshalb nur entdeckte das keiner der teuer bezahlten Wirtschaftsprüfer, welche die Bilanzen testierten?
Die Antwort liegt vermutlich in der Schwere der Manipulation. Eines ist klar: Sollten tatsächlich vorgetäuschte Geschäfte mit tatsächlichem Geldfluss zur Aufblähung von Umsatz und Ergebnis der Hess AG geführt haben, wird es ganz, ganz eng für die Verantwortlichen. Und die Frage wird dann auch sein, wer im Unternehmen wann genau was gewusst hat. Dass die Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen drei Beschäftigte wegen des Verdachts der Beihilfe ermittelt, spricht eigentlich Bände.
Wer das Unternehmen betrachtet, der wunderte sich in den letzten Wochen seit dem 21. Januar, als die beiden Vorstände gefeuert wurden. Ein neuer Alleinvorstand tritt an und bringt ein Heer an Beratern mit, die Rede ist von 20 Experten. Dass im Unternehmen die Kunde über das vermutliche Monatssalär dieser Truppe nur dumpfe Gefühle aufkommen lässt, ist unübersehbar. Die Frage ist schon, wer diese Experten bezahlt und wie lange das Geld bei der Hess AG jetzt noch gereicht hätte, wenn nicht Hunderttausende pro Monat speziell für diese Fachschaft hätte erwirtschaftet müssen.
Deshalb ist es jetzt eine gute Nachricht, dass ein unabhängiger Insolvenzverwalter aus einer hoch angesehenen Kanzlei das Ruder übernimmt. Spannend wird sein, wie er vorgeht. Und auf welchen Hess-Standort er bei seinen Zukunftsplanungen vor allem setzt.
Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.
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