Wochenende Ich schreib' über die Fasnacht
Über die Fasnacht soll ich hier was schreiben, hat Priska Ertl gesagt. Ich habe sie nämlich gefragt, was ich denn heute schreiben soll in dieser Spalte. Priska Ertl ist die nette blonde Frau, die immer die Seiten dieser Wochenend-Beilage gestaltet. Manchmal ist sie richtig streng, die liebe Priska. Ich zeige ihr ein Bild, ich mache einen Vorschlag für die Gestaltung, und dann sagt sie bisweilen: „Ach was, das sieht doch sch… aus.“ Doch, so ist die drauf.
Jetzt hat sie mir also gesagt, ich solle etwas über die Fasnacht schreiben. Leider hat sie mir nicht gesagt, was ich über die Fasnacht schreiben soll. Aber was ich über die Fasnacht schreiben würde, wäre ihr ohnehin egal. Sie will nur, dass ich etwas schreibe, Hauptsache, sie hat einen Text und kann die Seite fertig machen.
Jetzt sind schon 22 Zeilen rum, und ich habe immer noch nichts Gescheites über die Fasnacht geschrieben. Aber was soll man darüber auch Gescheites schreiben? Heiß ich Professor Mezger? Oder Martin Baur, der Überlinger Redaktionskollege, der sich mit Fasnachtsthemen auch gut auskennt und im übrigen schon am 7. Januar für die Wochenendbeilage diesen wunderbaren Text verfasst hat mit der schönen Überschrift „Was braucht die Hex' ein Regelwerk?“. Haben Sie den Text gelesen? Nein? Das ist schlecht. Dann kann ich bei Ihnen also nicht einmal diese fundamentalen Kenntnisse zur Fasnacht voraussetzen. Bevor Sie Martin Baurs Text nicht gelesen haben, hat es eigentlich wenig Sinn, dass ich hier noch irgendetwas über die Fasnacht schreibe. Wir können schließlich nicht wieder bei Adam und Eva anfangen. Die Kollegen vom Sport erklären Ihnen ja auch nicht in jedem Fußballtext die Abseitsregel.
Übrigens kam so eben Priska Ertl hier rein. Sie hat mir über die Schulter geschaut, hat höflich, aber bestimmt nachgefragt, wann ich denn fertig sei. Dass ich was über sie schreibe, habe ich ihr gesagt. Das hat sie gefreut, immerhin. Aber was ich über die Fasnacht geschrieben habe, das wollte sie nicht wissen. Konstruktive Vorschläge zum Inhalt dieser Zeitungsspalte machte sie natürlich auch nicht.
Sehen Sie, so ist das. Man kommt zu nichts, dauernd kommt jemand hier rein oder das Telefon klingelt, wie soll man da etwas Gescheites über die Fasnacht schreiben?
Also, ich fange noch mal von vorne an. Kurz müssten meine Ausführungen zur Fasnacht sein, denn viel Platz habe ich nicht mehr, viel Zeit schon gar nicht. Meine Aussage zur Fasnacht sollte außerdem konsensfähig sein, denn im Häs sind ja alle: Katholiken, Protestanten, Priska Ertl und Kommunisten, Kapitalisten und Thai-Boxer. Man will niemanden verletzen. Ich versuch's mal: Narri Narro und Ho Narro.
