Noch 30 Jahre gibt uns der US-amerikanische Computer-Experte Ray Kurzweil. Dann, sagt er, wird die künstliche Intelligenz den Menschen überholt haben. Kurzweil wird wissen, was er sagt - denn er wird sogar von Bill Gates als weltweit "führender Experte im Bereich der künstlichen Intelligenz" bezeichnet.
Die künstliche ist mit der menschlichen Intelligenz nur schwer zu vergleichen. Jeder Mensch ist ein Individuum, Computer nicht. Sie können sich - mitsamt ihrer "Identität" miteinander verbinden und dann auch wieder isolieren. "Die Identität eines Computers beruht auf seiner Software", sagt Kurzweil.
Das, was man als Seele des Computers bezeichnen könnte, ist nicht an einen Körper, ein Gehäuse, gebunden. Beim Menschen ist das anders. Kurzweil glaubt jedoch, dass wir (in ferner Zukunft?) unsere Biologie immer mehr ablegen und den Computern technisch ähnlicher werden. "Wir werden unsere Intelligenz verschmelzen und uns wieder trennen können, wie es Computer tun."
Computer - oder Roboter. Das sind laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia "stationäre oder mobile Maschinen, die nach einem bestimmten Programm festgelegte Aufgaben erfüllen". Computer-Experte Bill Gates geht davon aus, dass in den Industrieländern bis 2013 jeder Haushalt eine intelligente Maschine haben wird, die uns von lästiger Hausarbeit entlastet - zumindest prophezeite er das der Wissenschaftszeitschrift "Scientific American". Ganz daneben liegt Gates sicher nicht - die International Federation of Robotics hat 2004 weltweit etwa zwei Millionen Roboter gezählt, in diesem Jahr sollen sieben Millionen dazukommen - und die werden uns optisch (und emotional) immer ähnlicher.
Das haben wir nicht zuletzt japanischen Unternehmen zu verdanken. Toyota zum Beispiel will ab 2010 "Partner-Roboter" vermarkten. Dass wir Roboter so vermenschlichen, ist laut Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, normal. Die Vermenschlichung sei "die einfachste Form, sich den anderen sowohl zugänglich als auch als möglicherweise schwierig vorzustellen".
Durch den rasanten technischen Fortschritt werden Menschen immer mehr mit Maschinen zu tun haben - und das interessiert auch die Wissenschaft. Erst vor kurzem wurde ein internationales Projekt ins Leben gerufen, das die sozialen Beziehungen zwischen Mensch und Maschine erforscht. "Lirec" heißt das Ganze, die Abkürzung steht für "Living with Robots and Interactive Companions" (Leben mit Robotern und interaktiven Gefährten). Den Forschern geht es dabei um emotional intelligente künstliche Kameraden. "Wir wollen wissen, wie sich längerfristige Interaktionen zwischen Robotern und Menschen auf die Entstehung und Entwicklung von Beziehungen zwischen beiden auswirken", sagt Dr. Carsten Zoll von der Universität Bamberg, die an diesem Projekt beteiligt ist. Ziel von Lirec ist eine neue Generation emotional intelligenter, interaktiver Technologien - Roboter, die Bindungen mit Menschen eingehen können. "Wir möchten herausfinden, wie Menschen in ihrer Alltagsumgebung Langzeitbeziehungen mit künstlichen Kreaturen entwickeln können", erläutert Peter McOwan, Professor für Informatik an der ebenfalls beteiligten Queen-Mary-Universität in London.
