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Konstanz Von Menschen und Maschinen

03.07.2008
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Ein Ausflug in die Welt der künstlichen Intelligenz

Noch 30 Jahre gibt uns der US-amerikanische Computer-Experte Ray Kurzweil. Dann, sagt er, wird die künstliche Intelligenz den Menschen überholt haben. Kurzweil wird wissen, was er sagt - denn er wird sogar von Bill Gates als weltweit "führender Experte im Bereich der künstlichen Intelligenz" bezeichnet.

Die künstliche ist mit der menschlichen Intelligenz nur schwer zu vergleichen. Jeder Mensch ist ein Individuum, Computer nicht. Sie können sich - mitsamt ihrer "Identität" miteinander verbinden und dann auch wieder isolieren. "Die Identität eines Computers beruht auf seiner Software", sagt Kurzweil.

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Das, was man als Seele des Computers bezeichnen könnte, ist nicht an einen Körper, ein Gehäuse, gebunden. Beim Menschen ist das anders. Kurzweil glaubt jedoch, dass wir (in ferner Zukunft?) unsere Biologie immer mehr ablegen und den Computern technisch ähnlicher werden. "Wir werden unsere Intelligenz verschmelzen und uns wieder trennen können, wie es Computer tun."

Computer - oder Roboter. Das sind laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia "stationäre oder mobile Maschinen, die nach einem bestimmten Programm festgelegte Aufgaben erfüllen". Computer-Experte Bill Gates geht davon aus, dass in den Industrieländern bis 2013 jeder Haushalt eine intelligente Maschine haben wird, die uns von lästiger Hausarbeit entlastet - zumindest prophezeite er das der Wissenschaftszeitschrift "Scientific American". Ganz daneben liegt Gates sicher nicht - die International Federation of Robotics hat 2004 weltweit etwa zwei Millionen Roboter gezählt, in diesem Jahr sollen sieben Millionen dazukommen - und die werden uns optisch (und emotional) immer ähnlicher.

Das haben wir nicht zuletzt japanischen Unternehmen zu verdanken. Toyota zum Beispiel will ab 2010 "Partner-Roboter" vermarkten. Dass wir Roboter so vermenschlichen, ist laut Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, normal. Die Vermenschlichung sei "die einfachste Form, sich den anderen sowohl zugänglich als auch als möglicherweise schwierig vorzustellen".

Durch den rasanten technischen Fortschritt werden Menschen immer mehr mit Maschinen zu tun haben - und das interessiert auch die Wissenschaft. Erst vor kurzem wurde ein internationales Projekt ins Leben gerufen, das die sozialen Beziehungen zwischen Mensch und Maschine erforscht. "Lirec" heißt das Ganze, die Abkürzung steht für "Living with Robots and Interactive Companions" (Leben mit Robotern und interaktiven Gefährten). Den Forschern geht es dabei um emotional intelligente künstliche Kameraden. "Wir wollen wissen, wie sich längerfristige Interaktionen zwischen Robotern und Menschen auf die Entstehung und Entwicklung von Beziehungen zwischen beiden auswirken", sagt Dr. Carsten Zoll von der Universität Bamberg, die an diesem Projekt beteiligt ist. Ziel von Lirec ist eine neue Generation emotional intelligenter, interaktiver Technologien - Roboter, die Bindungen mit Menschen eingehen können. "Wir möchten herausfinden, wie Menschen in ihrer Alltagsumgebung Langzeitbeziehungen mit künstlichen Kreaturen entwickeln können", erläutert Peter McOwan, Professor für Informatik an der ebenfalls beteiligten Queen-Mary-Universität in London.

Laut Diplom-Psychologin Sibylle Enz von der Universität Bamberg gibt es bislang nicht viele wissenschaftliche Erkenntnisse zur sozialen Interaktion zwischen Menschen und Robotern. Wir haben zwar viel mit ihnen zu tun - aber Industrieroboter "sind nun einmal keine sozialen Wesen". Enz geht jedoch davon aus, dass sich das ändern wird, dass Roboter "immer mehr auch zu sozialen Wesen werden, je mehr sie in andere Lebensbereiche vordringen".

Die Lirec-Forscher vermuten, dass "ein gewisses Ausmaß an sozialen Verhaltensweisen" notwendig ist, damit Menschen eine Beziehung zu den Robotern aufbauen. Dass diese wie Menschen aussehen, ist dabei gar nicht notwendig. Peter McOwan zitiert in diesem Zusammenhang gern Forschungsergebnisse, "laut denen Roboter desto weniger akzeptiert werden, je ähnlicher sie einem Menschen sehen". Das Phänomen mit Namen "the uncanny valley (auf Deutsch: das unheimliche Tal) geht auf eine Hypothese des japanischen Ingenieurs Masahiro Mori zurück, die besagt, dass Roboter, die fast genauso aussehen und handeln wie Menschen, beim Menschen Abneigung hervorrufen. Dabei ist es so: Je ähnlicher ein Roboter einem Menschen wird, desto positiver begegnen wir ihm - bis zu einem bestimmten Punkt, an dem die Abneigung überwiegt. Ist der jedoch überschritten, setzt wieder das Positive ein.

Dass ein Roboter nicht mal annähernd menschlich aussehen muss, damit wir eine Beziehung zu ihm aufbauen, bestätigt eine Umfrage des Georgia Institute of Technology in Atlanta. Die Forscher befragten einige Hundert Besitzer des Staubsaugers Roomba - im Grunde nicht mehr als eine dicke Scheibe - und bekamen zu hören, dass etliche Nutzer mit ihm reden, spielen, ihm auch Namen geben. Das Phänomen ist nicht neu: Amerikanische Soldaten sollen mit ihren Minenrobotern sogar angeln gehen und todtraurig sein, wenn sie zerstört werden. Der Mensch hat eben das Bedürfnis, Kontakte zu knüpfen.

Ein bisschen Skepsis spielt jedoch immer mit. Zwar sind wir wenig zögerlich, wenn es um elektronische Haushaltshilfen geht. Wenn dann aber Roboter in der Altenpflege eingesetzt werden - so wie Paro, eine schneeweiße Robbe mit schwarzen Knopfaugen, die beruhigend wirken soll - ist der Aufschrei groß. Aber auch wenn sich nicht jeder mit diesen Auswüchsen der Technik anfreunden kann - ohne Roboter geht es nicht mehr. "Roboter und künstliche Intelligenz sind überall um uns herum und erleichtern uns das Leben. Wenn wir sie nicht mehr hätten, wären viele der Dinge, die für uns selbstverständlich sind, plötzlich weniger einfach", sagt Peter McOwan. Dirk Baecker ist überzeugt, dass wir ohne Roboter leben könnten. "Aber wir hätten es dann wieder mit ganz anderen Verhältnissen zu tun. Wir würden uns wieder das Wasser aus dem Brunnen holen und uns freuen, wenn herumziehende Händler uns Geschichten erzählen.

" Und er schränkt ein: "Der Mensch im Singular und in kleinen Gruppen kann ohne Maschinen leben, die Menschen im heutigen Plural von fast 6,7 Milliarden können es nicht." Ob es umgekehrt möglich wäre, dass Maschinen ohne Menschen leben? "Alles hängt davon ab, ob es den Maschinen gelingt, die Energie, die sie brauchen, selbst herzustellen, und ob es ihnen gelingt, sich selbst zu reparieren, wenn sie kaputt gehen. Dann haben sie gute Chancen."

Wir trösten uns in der Zwischenzeit damit, dass zum Glück nicht jeder Roboter so beängstigend ist wie die Maschinenfrau aus "Metropolis". Sondern eher so unterhaltsam sein sollte wie R2-D2 und C-3PO aus dem "Krieg der Sterne". Die beiden halten sich mit Sicherheit auch an die einst von Isaac Asimov formulierten Robotergesetze: Füge keinem menschlichen Wesen (wissentlich) Schaden zu und gehorche seinen Befehlen!

Das "Wort zum Wochenende": http://wochenende.suedblog.de

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