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Eberswalde (dpa/tmn) Deutsche streichen Griechenland nicht von der Reiselandkarte

11.05.2012
Wütende Protestierer, Steine- und Wasserwerfer - es gab viele unschöne Bilder aus Griechenland in den vergangenen Monaten. Doch die Deutschen streichen es deshalb nicht von der Liste der potenziellen Urlaubsziele.
Ruinen auf Rhodos

Ruinen auf Rhodos - 63 Prozent der Deutschen verbinden mit Griechenland «sehenswerte kulturelle und historische Angebote» und schätzen es gerade deswegen als Reiseziel. Foto: Tobias Schormann  Bild: Foto: dpa

Korfu

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Prof. Claudia Brözel

Das Griechenlandbild der Deutschen ist noch nicht erschüttert, sagt Prof. Claudia Brözel. Foto: DMO  Bild: Foto: dpa

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Bisher ist das Griechenlandbild der Deutschen noch nicht erschüttert. Welche Folgen die aktuellen politischen Entwicklungen nach den Wahlen in Athen für den Tourismus haben werden, lässt sich zwar nur schwer abschätzen. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise habe bisher nicht dazu geführt, dass die Deutschen Griechenland von der Liste potenzieller Urlaubsziele streichen würden, sagte Prof. Claudia Brözel von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde.

Das Interesse sei weiterhin da. Allerdings auch die Gefahr, dass Griechenland in den Fokus der Schnäppchenjäger gerate, denen es vor allem um günstigen Strandurlaub geht, sagte Brözel, die im Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement unterrichtet.

Das Griechenlandbild der Deutschen hat jedenfalls nach wie vor viele positive Farbtupfer: So verbinden 63 Prozent der Deutschen mit dem Land «sehenswerte kulturelle und historische Angebote», 58 Prozent «schöne Strände», 45 Prozent eine «abwechslungsreiche Landschaft». Immerhin 41 Prozent denken bei Griechenland an «freundliche und offene Gastgeber». An «hohe Qualitätsstandards» denken dagegen nur 9, an ein «hohes Sicherheitsniveau» nur 6 Prozent. Diese Daten hat Ipsos für die HNE-Studie «Das 'Bild' Griechenlands bei deutschen Urlaubern» bei einer repräsentativen Befragung im März 2012 ermittelt.

Generell gilt: Das Interesse der Deutschen sei ungebrochen, sagte Brözel. Das zeige zum Beispiel die Auswertung von Google-Suchanfragen über einen Zeitraum von April 2011 bis April 2012: Das Niveau ist stabil. «Nach Griechenland wird überdurchschnittlich oft gesucht.» Und unter den Suchbegriffen liegt «Griechenland Urlaub» deutlich vorn, noch vor «Griechenland Wetter» und «Griechenland Krise». Die Suchabfragen mit dem Stichwort «Krise» hätten allerdings spürbar zugenommen.

Aber auch die Befragungsdaten stützen die Einschätzung, dass die Deutschen Griechenland als Urlaubsziel nicht abgeschrieben haben: So gaben 34 Prozent an, es komme generell für sie für den Urlaub infrage, 49 Prozent verneinten das. Es komme im Moment nicht infrage, weil die politische Instabilität die Sicherheit der Urlauber gefährde, sagten 18 Prozent. 13 Prozent äußerten sich entsprechend, weil die Versorgungslage für Urlauber eher schlecht sei. Hier zeigten sich zum Teil diffuse Ängste, sagte Brözel.

Immerhin 7 Prozent gaben an, sie planten innerhalb der kommenden drei Jahre, in Griechenland Urlaub zu machen. Kaum beeindruckt von den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sind offenbar vor allem die griechenlanderfahrenen Urlauber, die mindestens einmal dort gewesen sind und zu denen rund ein Viertel der Deutschen (24 Prozent) zählt. Sie sehen das Land deutlich positiver - in allen Punkten. «Sie haben zum Beispiel ein sehr positives Bild von den Griechen als Gastgeber und schätzen besonders die individuellen Unterkünfte dort», erläuterte Brözel.

Klassischerweise hätten erfahrene Griechenlandurlauber im Durchschnitt ein höheres Einkommen, höhere Bildung und ein geringeres Interesse an Schnäppchenurlaub. So ist das Haushaltsnetto-Einkommen der Griechenlanderfahrenen mit rund 2640 Euro deutlich höher als das der Gruppe, die Urlaub in Griechenland für sich ablehnt mit 2216 Euro.

Für einen anderen Teil der deutschen Touristen könnte Griechenland jetzt noch attraktiver werden: Gerade bei den Preisbewussten scheint das Interesse an Urlaub in Griechenland zuzunehmen. Insgesamt gaben 5 Prozent der Befragten an, Griechenland werde attraktiver, weil es weniger überlaufen ist, 7 Prozent, weil es billiger ist, dorthin zu reisen. Prof. Brözel sieht das allerdings nicht nur als Chance: «Viele Veranstalter setzen beim Thema Griechenland nun auf günstig. Die Folge kann aber ein Imageschaden des Reiseziels sein.» Die Vorstellung, Griechenland sei gerade für Schnäppchenjäger interessant, könnte sich als ausgesprochen langlebig erweisen. Welche Folgen das für das Griechenlandbild insgesamt hat, ist noch offen.

Service:

Die Studie «Das 'Bild' Griechenlands bei deutschen Urlaubern» wurde unter der Leitung von Prof. Claudia Brözel von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde erstellt und beim Kongress «Destination meets online» (20. bis 23. April) auf Kreta vorgestellt.

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