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Mode und Design Warum Weiß die Trendfarbe schlechthin ist

Wie eine Nicht-Farbe zum Star der Designer wurde: Autos, Computer, Mode und Möbel erbleichen. Der Zeitgeist fordert farbliche Coolness.

Farbig kann's ja jeder. Rote Autos, grüne Autos, blaue Sofas oder jetzt im Herbst die neuen knallbunten Hosen in den Farben des Herbstlaubs. Farben bestimmen unser Leben, verbreiten Stimmungen, regen an oder beruhigen. Ausgerechnet jetzt sind Gegenstände in Weiß der letzte Schrei. Audi etwa lässt seine großen SUVs in Werbungen gern in Weiß die grauen Highways der USA entlangrollen. Schwarz oder Blau war gestern. In der Mode ist Schwarz-Weiß zurück. Mehr Kontrast geht nicht. Woher kommt dieser Hang zur Nicht-Farbe? Und was sagt er über unsere Gesellschaft aus?

„Weiß entspricht dem Zeitgeist“, sagt der Farbexperte Klausbernd Vollmar, der sich mit der Macht der Farben befasst hat und große Firmen zur Wirkung von Farben berät. Weiß sei eigentlich keine Farbe: „Unbunte Farben sind cooler, sie sind nicht so emotional wie Rot, Grün oder Blau“, erklärt er. Im Gegensatz zur bunten Welt der Hippies in den 1970er-Jahren seien Weiß und Schwarz die „Überfarben“, die das Ab-strakte, eben diesen coolen Zeitgeist, verkörperten.

Bei Autos habe Weiß einen erstaunlichen Effekt: „Weiß lässt Gegenstände größer erscheinen.“ Wer also einen weißen SUV fährt, macht das Auto größer, als es ohnehin schon ist. Ähnliche Effekte gebe es auch bei Gelb: Diese Farben haben eine „starke Rückstrahlkraft“. Sie sagen: Schau mich an! Ich kann mir das leisten! Weiße Autos haben in Deutschland aber auch eine lange Tradition aus dem Rennsport. „Deutsche Rennwagen waren früher weiß – an diese Tradition wird bei der neuen Farbmode auch unterschwellig angeknüpft“, so Vollmar.

Eine Firma, die Weiß jahrelang zum Kult machte, ist Apple. Egal ob Mac, ob iPod oder iPhone: Wer etwas auf sich hielt, kaufte die Spielzeuge aus den USA in Weiß. In einer Zeit, in der die meisten elektronischen Geräte in Schwarz daherkamen, war mehr Gegensatz kaum möglich. Vollmar meint freilich, der Mode Weiß werde kein langer Erfolg mehr beschieden sein. „Viele elektronische Spielzeuge sind schon nicht mehr in Weiß.“ Er sieht eher Schwarz im Kommen, sowie verschiedene Matt-Töne. „Das ist einfach edler.“

Und was sagt Ferdinand Dudenhöffer, der deutsche „Auto-Papst“, zum Trend der weißen Wagen? „Farben unterliegen der Mode. Feuerwehrrote Autos konnte man einfach nicht mehr sehen, ebenso erging es auch Schwarz und Silber.“ Bei den Autobauern wurde das gleich erkannt: „Da wurden gleich Metallic-Weiß und Perlmutt-Weiß gemischt, gegen Aufpreis natürlich“, so der Auto Experte und Professor an der Universität Duisburg-Essen. Früher sei Weiß sehr lange uncool gewesen, eine Farbe, die es ohne Aufpreis gab und die niemand mochte. Für die Autobauer war es lange Zeit schwer, weiße Autos in Deutschland durchzusetzen. „Viele Menschen verbinden damit die Kleinwagen der Sozialdienste“, so auch Klausbernd Vollmar.

Dabei haben weiße Autos im Sommer einen großen Vorteil: Sie heizen sich weniger auf als dunkle Autos. Derlei praktische Erwägungen sind den Autokäufern aber egal: „Es muss schick sein, das Ding“, bringt Dudenhöffer es auf den Punkt. In Japan seien weiße Autos schon seit langer Zeit angesagt gewesen. Dudenhöffer sieht den Stern des weißen Wagens allmählich schon wieder sinken. „Jetzt kommen die Braun- und Grüntöne.“ Gegenüber seiner Frau konnte sich Dudenhöffer mit dem Farbtrend Weiß ohnehin nicht durchsetzen. Sie legte ihr Veto ein und befand: „Weiß ist die Farbe der Bäckerautos.“ Da musste der Autoexperte nachgeben. Er selber fährt, wie er selbstkritisch eingesteht, „nichts Originelles“. Dudenhöffers Wagen ist in schlichtem Silber unterwegs.

Bin ich so nicht am schönsten? Ein (fast) weißer Hund.
Bin ich so nicht am schönsten? Ein (fast) weißer Hund. | Bild: javier brosch- Fotolia; Hanne Siebers, Bonn

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