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Technik Warnung vor der Riesen-Welle

Die Tsunami-Katastrophe von 2004 hat Hunderttausende von Toten gefordert. Mit einem modernen Warnsystem soll jetzt im Indischen Ozean verhindert werden, dass sich ein solches Unglück noch einmal wiederholt. Deutsche Experten waren bei der Entwicklung entscheidend beteiligt.

Überlebende des Tsunami  sitzen vor einem zerstörten Haus an einem Fluss bei Bait in Krueng Aceh, 40km nordwestlich von Banda Aceh in Indonesien (Archivfoto vom 05.01.2005).
Überlebende des Tsunami sitzen vor einem zerstörten Haus an einem Fluss bei Bait in Krueng Aceh, 40km nordwestlich von Banda Aceh in Indonesien (Archivfoto vom 05.01.2005). | Bild: epa Ardiles Rante (EPA)
Ingenieure und Naturwissenschaftler wissen eines ganz genau: Bei großen technischen Vorhaben mit vielen verschiedenen Komponenten gibt es fast immer einen Bereich, der nicht so klappt, wie es die beste Planung vorgesehen hatte. Zu diesen Großprojekten gehört natürlich auch das Tsunami-Warnsystem Gitews (German-Indonesian Tsunami Early Warning System) im Indischen Ozean. Es wurde unter deutscher Regie nach den verheerenden Riesenwellen des zweiten Weihnachtsfeiertages 2004 aufgebaut.

Ausgerechnet die acht Bojen, die für die direkte Messung dieser Wellenbewegungen zuständig sind, machen immer wieder Schwierigkeiten. Keine von ihnen ist zur Zeit in Betrieb. Und doch ist sich Gitews-Projektkoordinator Jörn Lauterjung vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam sicher: „Bei der nächsten Riesenwelle kann das System sehr viele Menschenleben retten.“ Denn es funktioniert auch ohne die Messbojen auf dem Meer hervorragend.

Begonnen wurde Gitews, nachdem am 26. Dezember 2004 ein Erdbeben der Stärke 9,3 im Indischen Ozean einen Tsunami ausgelöst hatte. In Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand, Myanmar und anderen Ländern fielen den Riesenwellen weit mehr als 200 000 Menschen zum Opfer. Um vor solchen drohenden Katastrophen besser und schneller warnen zu können, misst das System verschiedene Schritte bei der Entstehung von Riesenwellen. Rechtzeitig gewarnt hat die Bevölkerung die Chance, vor den Riesenwellen in höher gelegene Regionen zu fliehen.

High-Tech-Boje: Ausgerechnet das Kernstück des deutsch-indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems tut seinen Dienst nicht so wie erwartet. Dank Satellitentechnik funktioniert das Warnsystem aber auch ohne die Bojen.
High-Tech-Boje: Ausgerechnet das Kernstück des deutsch-indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems tut seinen Dienst nicht so wie erwartet. Dank Satellitentechnik funktioniert das Warnsystem aber auch ohne die Bojen. | Bild: Bild: dpa
Die Quelle einer Riesenwelle ist in vier von fünf Fällen ein Seebeben. Daher hat Gitews erst einmal eine Lücke geschlossen, die das weltweite Erdbebenmessnetz ausgerechnet im Indischen Ozean hatte: „Das GFZ hat auf Sumatra, Java und Kalimantan sowie auf vorgelagerten Inseln 21 neue Mess-Stationen gebaut“, erklärt Jörn Lauterjung. Zusammen mit weiteren 140 Stationen in Indonesien, Japan und China sind die neuen Einrichtungen online und können innerhalb von zwei oder drei Minuten ein Erdbeben lokalisieren.

Allerdings löst nicht jedes Seebeben Riesenwellen aus. Das passiert nur bei Beben, bei denen sich der Meeresgrund ruckartig nach oben oder unten bewegt. Deshalb installierten die deutschen Wissenschaftler sieben Meter lange Bojen auf dem Meer, die mit Hilfe des Satellitenortungssystems GPS die Wellenbewegung direkt messen. Mit Funksignalen werden die Daten an die Tsunami-Warnzentrale in Jakarta übertragen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis gab es eine Reihe von Problemen mit den Bojen. Diese wurden nämlich direkt dort installiert, wo die Riesenwellen am steil abfallenden Kontinentalhang vor den Inseln Indonesiens entstehen. Dort aber schwimmen auch viele teure Speisefische, die natürlich auch einige Küstenbewohner anlocken. Verheddert sich dann eine Fangleine in der Verankerung der Boje, taucht ein Fischer schon einmal ins Meer, kappt die Haltetrossen und rettet so seine Ausrüstung, während die Boje davontreibt.

Natürlich sollen die teuren Bojen im Wert von mehr als hunderttausend Euro pro Stück wieder eingesammelt, repariert und neu verankert werden. Aus diversen Gründen aber funktioniert das bei der dafür zuständigen staatlichen Einrichtung in Indonesien eher selten. Und so ist eine Boje ganz verschwunden, vier weitere sind außer Betrieb und zu den letzten drei Bojen ist der Kontakt abgerissen: „Möglicherweise ist da nur die Energieversorgung ausgefallen“, vermutet Jörn Lauterjung. Aber bisher hat das in Indonesien die staatliche Stelle noch nicht überprüft.

Während des Aufbaus des Tsunami-Warnsystems, das seit Frühjahr 2011 vollständig von Indonesien betrieben wird, zeigte sich aber, dass ein anderes System ebenfalls registrieren kann, ob ein Tsunami entstanden ist und wie stark er ausfällt: Von Land aus misst das Satellitenortungssystem GPS direkt, wie die Erdkruste bei einem Beben deformiert wird und wie stark der Meeresgrund sich nach oben oder unten bewegt. Daraus aber kann das Warnsystem die entstandenen Wellen abschätzen. Über die Tsunami-Warnzentrale können dann die Bewohner der nahen Küste Indonesiens alarmiert werden, die von den Riesenwellen bereits nach zwanzig Minuten gefährdet sind. Pegelmesser an den Küsten von Inseln messen dann die sich durch den Indischen Ozean weiter schiebenden Wellen auch noch direkt. Damit können die Bewohner der entfernter liegenden Küsten Indiens, Sri Lankas und Thailand ebenfalls zuverlässig gewarnt werden. Auch ohne Messbojen funktioniert das System daher hervorragend, berichtet Gitews-Projektleiter Jörn Lauterjung: „Ich bin sehr zufrieden!“


 

 

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