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Weinfelden Mittelthurgaubahn löst sich auf

Seit 15. Dezember 2002 fahren die Seehas-Züge unter der Flagge der neuen Thurbo AG. Noch aber gibt es die Mittelthurgaubahn (MThB), seit Oktober 2002 allerdings mit dem Zusatz i.L., in Liquidation. Grund ist die hohe Überschuldung, sie betrug zum Jahresende 2002 rund16 Millionen Franken.

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Noch immer erinnern die Seehas-Züge an die Mittelthurgaubahn. Das Unternehmen besteht auch noch, befindet sich aber in der Auflösung. Bild: Klett

Weinfelden - Die Liquidation der MThB wurde im Herbst 2002 beschlossen. Das heißt, die für die letzte Phase eingesetzte Geschäftsleitung und die drei noch übrig gebliebenen Verwaltungsräte sind dabei, die Gesellschaft aufzulösen und die damit verbundenen Geschäfte abzuwickeln. Und das wird noch eine Weile dauern, endgültig aus dem Handelsregister gelöscht werden soll das Thurgauer Bahnunternehmen etwa Mitte 2004.

Doch bis dahin bleibt noch einiges zu tun. Denn wie aus dem jetzt vorgelegten Geschäftsbericht 2002 der MThB hervorgeht, schloss das vergangene, turbulente Jahr schließlich mit einer Überschuldung des Unternehmens in Höhe von rund 16 Millionen Franken. Der Bilanzverlust betrug fast 30 Millionen, er soll ins neue Jahr übertragen werden. Nach Bekanntwerden des Finanzdebakels der Thurgauer Bahn im Laufe des vergangenen Jahres wurden heftige Aktivitäten entfaltet, sie alle zielten darauf ab, einen Konkurs zu vermeiden und damit auch die Arbeitsplätze der rund 250 Mitarbeiter zu erhalten. Es seien Lösungen gefunden worden, die Entlassungen verhinderten, heißt es dazu im Geschäftsbericht.

Inzwischen wurde ein großer Teil der Anlagen und des Rollmaterials verkauft oder an SBB und Thurbo AG übertragen, was zu einer Reduzierung der Bankdarlehen führte, die Tochterfirmen der MThB wurden aufgelöst. Schließlich haben Gläubiger teilweise auf ihre Forderungen verzichtet, Subventionen von Bund und Kantonen wurden mit den Anlagewerten verrechnet. Die bedingt rückzahlbaren Subventionen des Landes Baden-Württemberg für den "Seehas" in Höhe von rund 14 Millionen Franken wurden auf die Thurbo AG übertragen.

Gut 80 Jahre hat die MThB auf ihrer Strecke Wil-Konstanz einen gemächlichen, unspektakulären Kurs gefahren. Dann begannen 1994 mit der Übernahme des "Seehas" Schlag auf Schlag die Expansionen, die zunächst zum wachsenden Erfolg des Unternehmens, dann aber zum Niedergang führten, verbunden auch mit personellen Konsequenzen: Der Thurgauer Regierungsrat Hermann Lei, gleichzeitig MThB-Verwaltungsratspräsident, trat zurück. Direktor Peter Joss, gegen den jetzt ein Verfahren läuft, wurde fristlos entlassen. "Im Nachhinein muss festgestellt werden, dass das Management durch die gleichzeitige Bearbeitung vieler Projekte bei oftmals sich ändernden Rahmenbedingungen überfordert war und eine klare Linie bei der Umsetzung einer Vision zum fertigen Projekt vermissen ließ", schreibt der jetzige Verwaltungsratspräsident Josef Hartmann in seinem Bericht zum Geschäftsjahr 2002. Die Folge seien mangelhafte Kommunikation, fehlende Termintreue gegenüber Partnern und Subventionsgebern mit schwerwiegenden finanziellen Folgen sowie eine unrealistische Hoffnung auf weitere Zuschüsse des Bundes gewesen.

Nach 94 Jahren ist die Mittelthurgaubahn nun endgültig am Ende. "Dies ist sehr bedauerlich, hat die Bahn in all den Jahren doch eine volkswirtschaftlich wichtige Funktion erfüllt", so der Abgesang des Verwaltungssratspräsidenten. Ein weiteres letztes Wort haben am 30. Juni die Aktionäre. Das allerletzteWort aber steht noch aus: Erst bei der Generalversammlung 2004, die dann wohl die endgültig letzte sein wird, werden auch die Gremien entlastet.

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