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Oslo Breivik enttäuscht von Opferzahlen - Vorbereitung mit Kriegsspiel

19.04.2012
Von dpa
Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat zu Beginn des vierten Prozesstages zum ersten Mal auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust verzichtet. Angehörige seiner Opfer hatten ihn am Vorabend darum gebeten.
Breivik-Prozess

Der Islamhasser ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Anders Behring Breivik (r.) mit einem seiner Verteidiger Geir Lippestad. Foto: Heiko Junge  Bild: Foto: dpa

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Ursprünglich hatte Breivik nach eigenen Angaben noch mehrere andere Terrorziele in der engeren Wahl. Der erste Plan sei gewesen, drei Autobomben zu bauen, sagte er. Als Ziele habe er sowohl das Hauptquartier der Arbeiterpartei, das Regierungsgebäude Stortinget, das Osloer Rathaus und ein Gebäude nahe der Zeitung „Aftenposten“ überdacht und verworfen. Hier wären zu viele unschuldige Menschen in der Nähe gewesen. Er habe auch an das königliche Schloss gedacht, das von der Arbeiterpartei für Staatsbesuche genutzt werde. Wichtig sei ihm aber gewesen, der königlichen Familie keinen Schaden zuzufügen. „Ich bin Anhänger der Monarchie“, sagte Breivik.

Er habe es jedoch nicht geschafft, mehr als eine Bombe zu bauen. Daher habe er eines der Ziele auswählen müssen. Zusätzlich habe er sich für ein Massaker entschieden.

Er wollte alle Menschen auf der Fjordinsel Utøya töten

„Das attraktivste Ziel wäre die internationale Journalisten-Konferenz Skup gewesen.“ Seinen Plan hier habe er aus Zeitgründen 2011 aber nicht realisieren können. Das Ferienlager der sozialdemokratischen Jugend auf Utøya sei das nächstbeste Ziel gewesen.

«Das Ziel war nicht, 69 Menschen zu töten, das Ziel war, alle zu töten», sagte er am Donnerstag vor Gericht.

Utøya sei ein politisches Ziel gewesen. Zum Zeitpunkt des Attentates waren rund 560 Menschen auf der Insel. Er habe damit gerechnet, dass die meisten von ihnen älter als 18 Jahre alt seien. «Bis zum 23. Juli glaubte ich, keiner auf Utøya sei unter 16.» Es sei für ihn nicht wünschenswert, Minderjährige zu töten. Die Jugendlichen hätten sich aber umgedreht, so dass er ihre Gesichter nicht sehen und das Alter nicht beurteilen konnte.
Hauptziel sei eigentlich die einstige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland gewesen - er habe sie vor laufender Kamera enthaupten wollen, sagte Breivik. Sie sei das «attraktivste» Ziel gewesen, war aber schon abgereist, als Breivik die Insel erreichte.
Als nächstes habe er den Anführer der sozialdemokratischen Jugend, Eskil Pedersen, im Visier gehabt.

Den Rest der Jugendlichen habe er in Angst versetzen und mit der Waffe ins Wasser treiben wollen. «Ich habe damit gerechnet, dass sie im Wasser ertrinken.» Sein gesamtes Massaker habe er eigentlich filmen wollen, sei damit aber gescheitert, weil er kein iPhone kaufen konnte.

Von den Opferzahlen enttäuscht

77 Morde waren ihm nicht genug - der Norweger Anders Behring Breivik hatte vor, alle der mehr als 560 Menschen auf Utøya zu erschießen. Er habe im vergangenen Sommer auch das gesamte norwegische Kabinett umbringen wollen. Deshalb sei er vom Bombenanschlag auf das Osloer Regierungsviertel, bei dem acht Menschen starben, enttäuscht gewesen.

Breivik gab seinen Waffen Namen aus der nordischen Mythologie

„Das (halb-automatische) Gewehr hieß Gungnir, wie der magische Speer des Gottes Odin, der nach jedem Wurf zurückkehrt, während ich die Glock (halb-automatische Pistole) Mjölnir nannte, nach dem Hammer von Thor, dem Gott des Krieges“, sagte der 33-Jährige. Die Polizei hatte Breivik nach dem Massaker auf der Insel Utøya mit den Waffen festgenommen

Breivik spielte Krieg am Computer

Der ehemals Selbstständige gab an, vor den Anschlägen ein ganzes Jahr freigenommen zu haben, um das Computerspiel „World of Warcraft“ zu spielen. Er habe im Schnitt 16 Stunden am Tag vor dem Computer gesessen. „Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun“, betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echten Waffen trainiert. Er sei mehrmals beim Schießtraining eines Vereins gewesen.

Sein Manifest repräsentiere die Meinung vieler Europäer

Zugleich räumte der Massenmörder ein, er stehe nicht hinter allen Aussagen seines 1500 Seiten starken Manifests. Er sei mit dem Dokument nicht ganz fertig geworden, es sei nur ein Entwurf, sagte der 33-Jährige. Auf die Frage von Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob er allem zustimme, was in dem Kompendium stehe, antwortete Breivik mit „Nein“. „Sie haben 77 Menschen getötet, ohne ganz sicher über das zu sein, was im Manifest stand?“, fragte Engh ungläubig. Breivik betonte, er stimme dem allermeisten zu. Er habe beim Schreiben aber Rücksicht auf andere nehmen müssen.Das Manifest repräsentiere daher nicht seine Meinung, sondern die von vielen Europäern, sagte Breivik. Er hatte zuvor angegeben, von einem Netzwerk militanter Nationalisten mit dem Schreiben des Dokuments beauftragt worden zu sein. Nur Stunden vor den Terroranschlägen hatte er das Manifest mit dem Namen „2083 - Eine europäische Freiheitserklärung“ per E-Mail an rund 1000 Adressaten versandt

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Norway Attacks

Am 22. Juli 2011 erschütterten die Taten des rechtsradikalen Attentäters Anders Breivik ganz Norwegen. Er verübte das Massaker auf der Insel Utøya und den Bombenanschlag in Oslo. Es starben 77 Menschen. Die Richter verhängten im August 2012 die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

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